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Kurs: Rationelles Design von Waldgärten und Agroforstsystemen I

 

  • Einführung in die Planung von Waldgärten und Agroforstsystemen
  • Den Standort verstehen und die richtigen Werkzeuge und Methoden identifizieren
  • Wasserhaushalt, Boden, Konkurrenz, Sukzession, Raumordnung und Erschließung einbeziehen
  • Eine geeignete Struktur für die angestrebten Ziele finden
  • Multifunktionalität und Nachhaltigkeit
  • Historische und kulturelle Aspekte des Waldgärtnerns
  • Umgang mit dem Klimawandel

Inhalt

In diesem Kurs werde ich die Grundlagen vermitteln, um einen Waldgarten oder ein Agroforstsystem zielorientiert und effizient anzulegen. Für alle, die es ernst meinen mit einer nachhaltigen (Selbst-)versorgung.

Oft wird mit Waldgärten eine gewisse Unordnung und ein Bild von hohen Bäumen und viel Schatten assoziiert. Wir werden sehen, dass das überhaupt nicht so sein muss! In der mitteleuropäischen Tradition gibt es eine Reihe von Beispielen, die aufzeigen, wie Baum- und Strauchkulturen sinnvoll neben- und übereinander genutzt, sowie mit Tierhaltung und der Nutzung von nicht verholzenden Pflanzen kombiniert werden können. Als ökologisches Modell dient hier – wie auch bei temperierten Agroforstsystemen im größeren Maßstab – die halboffene Weidelandschaft, weitere Orientierung bieten Hute- und Niederwälder.

Auf dieser Grundlage nutze ich erprobte, widerstandfähige und ertragreiche Sorten in verschiedenen Baum- und Strauchkulturen, die eine gesunde Grundversorgung sicherstellen. Im Gegensatz zu einer in der Praxis weit verbreiteten Verspieltheit, steht bei mir ganz klar das Ziel, robuste und einfache Systeme zu schaffen, die leicht zu erhalten sind. Natürlich kann und sollte man auch immer etwas experimentieren, aber viel wichtiger ist, dass uns ein Garten ernährt und er auch bearbeit- und verstehbar bleibt.

Daher vermittle ich in diesem Kurs vor allem die ökologischen Grundlagen, die jede(r) dann im Selbststudium vertiefen sollte. Daneben lasse ich meine Erfahrung aus der eigenen Selbstversorgung und aus von mir geplanten oder besichtigten (funktionierenden und auch nicht funktionierenden) Systemen einfließen. Gemeinsam erarbeiten wir vor Ort Beispielplanungen und diskutieren die vielen Fallstricke, die es zu umgehen gilt. Wir suchen gemeinsam Gehölze und andere mehr- und einjährige Pflanzen aus, mit denen die gewünschten Produkte und Leistungen nachhaltig im Garten erzeugt werden können.

Wir werden sehen, dass nicht alles „im Kielwasser“ eines „naturnahen Waldgarten“-Dogmas zu erreichen ist, sondern bestimmte Dinge gezielt angesteuert werden müssen. Dennoch ist es möglich, den Energieeinsatz zu minimieren, indem man mit der natürlichen Sukzession arbeitet – und nur dort gegen sie, wo es notwendig ist.

Voraussetzungen & Ziele

Gut durchdachte Planungen brauchen eine fundierte Ausbildung, um Zusammenhänge zu verstehen und die richtigen Techniken einsetzen zu können. In diesem Kurs vermittle ich einen Überblick über die Grundlagen und will zur Vertiefung der Thematik anregen.

Der Kurs richtet sich an alle Interessierten, die einen Waldgarten oder ein Agroforstsystem anlegen wollen und bisher keine oder geringe Erfahrungen damit haben. Ökologisches Grundlagenwissen sowie land- und forstwirtschaftliche Detailkenntnisse sind willkommen, jedoch nicht erforderlich.
Am Ende des Kurses sollten die Teilnehmenden sich an eigene Planungen heranwagen und diese in ein funktionierendes System umsetzen können. Dazu sollen sie schon einige Fertigkeiten gelernt haben, vor allem aber auch den notwendigen Überblick über das Thema haben, um sich ggf. Hilfe und Rat zu holen. Wenn sie schon viel Vorwissen und Grundlagenkenntnisse hatten, können sie wahrscheinlich selbst eine Planung machen. Andernfalls sollte nach diesem Kurs klar sein, was es noch braucht. Teilnehmende ohne große Vorkenntnisse sollten sich dann mit Waldgärten und Agroforstsystemen soweit auskennen, dass sie wissen, welche Fähigkeiten sie noch brauchen, welche Lernangebote sich für sie lohnen und wo sie auf professionelle Leistungen zurückgreifen sollten.

Eine Möglichkeit zur Vertiefung des Wissens ist der Kurs http://baumfeldwirtschaft.de/termin/waldgartenkurs-2020-10/

Anreise

Brück liegt im nördlichen Fläming. Aus dem Südwesten Berlins ist es in einer halben Stunde zu erreichen, von Leipzig sind es ca. anderthalb Stunden.

Der Bahnhof Brück (Mark) an der Linie des RE 7 zwischen Berlin und Bad Belzig ist ca. 20 Gehminuten entfernt vom Projekthaus ‚Frieda‘.

Kosten

Die Kursgebühr inklusive Vollwert-Bio-Verpflegung (Frühstück, Mittag, Abendessen) kostet für Privatzahler 350 €, ermäßigt 300 € (Bitte bei der Anmeldung anfragen). Für Mitarbeiter*innen von Unternehmen und Organisationen beträgt der Teilnehmerbeitrag pro Person 400 €.

Unterkunft & Verpflegung

Für alle Teilnehmenden gibt es ohne zusätzliche Kosten für die Dauer des Kurswochenendes die Möglichkeit, im Waldgarten zu zelten. Ein einfaches Matratzenlager für die Nächtigung mit Schlafsack/ eigener Bettwäsche, mit gemeinsam genutztem Bad (Dusche, WC) kann für 5 € pro Nacht genutzt werden. Dies bitte bei der Anmeldung mit angeben, die Gebühr dafür ist vor Ort in bar zu bezahlen. Alternativ stehen in der Umgebung Unterkünfte in Gasthöfen zur Verfügung, um die man sich selbst kümmern kann.
Frühstück, Mittag- und Abendessen werden biologisch, vegetarisch und so regional wie möglich frisch zubereitet und sind im Kurs mit inbegriffen.

 

Anmeldung

Die Anmeldung erfolgt über das Anmeldeformular hier.

 

oder per Email an philipp.gerhardt@baumfeldwirtschaft.de

Bei der Anmeldung anzugeben sind:

  • Name, Adresse, Telefonnummer, Unternehmen
  • Preiskategorie (Privatzahler/ ermäßigt/ Unternehmen)
  • 1-2 Sätze zu Vorwissen, besonderem Interesse und Wünschen
  • Unterbringungsart (eigenes Zelt/ Matratzenlager/ extern)

Nach Eingang der Anmeldung  bekommt ihr eine Bestätigungs-Email mit den Zahlungsmodalitäten. Wenn der Teilnahmebeitrag eingegangen ist, seid ihr angemeldet.

Rückfragen auch gern telefonisch (OI7O I56 4O 42, siehe Kontakt).

Ablauf

Wenn ihr am Freitag zu 15 Uhr angereist seid, geht es um 16 Uhr los. Wir werden uns gemeinsam dem Thema Waldgärten und „hölzerne Landwirtschaft“ widmen und in ihre Geschichte und Zukunftsperspektiven eintauchen. Am Samstag wird es dann praktischer, wir werden uns das Gelände des Veranstaltungsortes erschließen und vor Ort viele Aspekte der Waldgartengestaltung greifbar machen. Die Erfahrung zeigt, dass es oft Sinn hat, manche Punkte vorzuziehen oder zu verschieben, weshalb ich hier nur die Zeiten angebe. Am Sonntag entwickeln die Teilnehmenden ihre eigenen Planungen am Veranstaltungsort und wir sprechen über Fallstricke, Tricks und Kniffe.

Die Kurszeiten sind:

Freitag nachmittags von 16-19 Uhr

Samstag vormittags von 9-13 Uhr

Samstag nachmittags von 14-18 Uhr

Sonntag vormittags von 9-13 Uhr

Sonntag nachmittags von 14-16 Uhr

 

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Keyline Design für Solidarische Landwirtschaft wächst und gedeiht

Luftaufnahme vom Keyline Design, das ich 2018 für die Solidarische Landwirtschaft ‚Minga‘ bei Zürich erstellt und eingemessen habe. Foto von Urs Ambühl.

Die nahe Zürich gelegene Solidarische Landwirtschaft ‚Minga vo Meile‚ hat im Jahr 2018 einen Selbsterntegarten mit ausschließlich mehrjährigen Gemüsen, Stauden, Sträuchern und Bäumen angelegt. Dafür habe ich ein Schlüssellinienmuster (siehe Keyline Design) erstellt und eingemessen. Damit wird der Feuchtigkeitshaushalt der Fläche ausgeglichen, indem die Pflanz- bzw. Beetreihen ein leichtes Gefälle vom feuchteren zum trockenern Bereich der Fläche aufweisen. Die Stellen, an denen es oft zu nass war und wo es zu Oberflächenabfluss kam, werden also hinsichtlich dieser Problematik entschärft. Dort, wo es vorher trockener war, steht mehr Wasser zur Verfügung, das dort außerdem länger gehalten wird und in die Tiefe einsickern kann.
Eine ausführliche Beratung zu Fruchtertragsgehölzen und anderen Aspekten von Agroforstsystemen wurde auch dort in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Permagold, PARela und baumfeldwirtschaft.de durchgeführt und zahlreiche Studierende waren vor Ort um sich mit uns über Keyline Design etc. auszutauschen. So wurde schon im Planungsprozess ein wesentliches Ziel der SoLaWi berücksichtigt, nämlich Wissensaustausch und gemeinsames Lernen zu fördern. Das Design, was nun dort angelegt wurde, hat eine Modellcharakter für kleinere und insbesondere solidarische Landwirtschaften.

Kürzlich habe ich einige Aufnahmen bekommen, die zeigen, wie das System jetzt, ein halbes Jahr nach der Anlage aussieht. Das schöne ist, dass dort eine auf Gehölzkulturen basierende, also den Boden nicht störende, Nahrungsmittelproduktion mit Schlüssellinienkultur (siehe Keyline Design), dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft und der Selbsternte kombiniert werden. Dadurch ergeben sich nicht nur zahlreiche positive Effekte  für das lokale Ökosystem und das Klima, sondern es entsteht auch ein Ökosystembewusstsein unter der bewirtschaftenden Gemeinschaft.