20210903-Gartenradio-Folge-459-Waldgaerten-und-Baumfeldwirtschaft

Klimawandelanpassung mit Agroforst in Brandenburg

Es gibt neue Bilder von meiner Agroforstplanung auf dem Landwirtschaftsbetrieb Rainer Guhl in der Prignitz, Brandenburg. Ein einfaches Agroforstsystem mit schnell wachsenden Pappeln von @lignovis, hier mit gewaltigem Effekt. Schon in den ersten 6 Monaten wuchsen die Bäume teilweise auf über 2,5m Höhe heran. Jetzt, in der zweiten Saison haben die Ackerkulturen schon deutlich vom Schutz gegen Wind und Austrocknung profitiert, der Betrieb hat nach diesem Erfolg die nächsten Äcker bepflanzt. Demnächst kommen noch Obst- und Nussbäume in dafür bereits vorgesehene Reihen (im Hintergrund zu sehen).

Besonders im in den letzten Jahren stark von Dürre und Winderosion betroffenen Brandenburg entfalten solche schnell wachsenden Agroforstsysteme ihre Wirkung. Durch Taubildung und Windbremse wird der Verdunstungsstress reduziert und die Umgebung (wenn sich Agroforstwirtschaft weiter verbreitet) bis hin zum Regionalklima gekühlt. Daneben binden solche Agroforststreifen aus Pappel rund 10 tonnen Kohlenstoff pro Jahr pro Hektar. Das Holz kann als Industrieholz verwendet werden, als Hackschnitzel zur Energiegewinnung in regionalen Heizkraftwerken oder für den Humusaufbau im Boden direkt im Acker eingearbeitet werden. Auch in sachen Biodiversität bringen die Agroforststreifen Lebensraum für Nützlinge, Zahlreiche tier- und Pflanzenarten und der Landschaft einen Biotopverbund. Natürlich nicht so viel wie eine „richtige“ Hecke, aber dafür als Nebeneffekt eines gewinnbringenden Betriebszweigs, egal ob im Bio- oder konventionellen Landwirtschaftsbetrieb.

Der Familienbetrieb von Landwirt Rainer Guhl und seiner Familie freut sich dabei auch über neue Blickfänge in der sonst sehr ausgeräumten Landschaft der Prignitz. Dabei soll es nicht bei den auch etwas monotonen Pappelstreifen bleiben, sondern es ollen an den frequentierten Spazierwegen der Dorfbewohner auch Obst- und Nussbäume gepflanzt werden. Es macht wirklich Freude mit so engagierten Betrieben zu arbeiten und die Landschaft gemeinsam zu verändern – für ein lebenswertes Klima für die kommenden Generationen!


Mehr Planungsbeispiele finden sich auf den Seiten unter http://baumfeldwirtschaft.de

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vielfältige Agroforstwirtschaft

Bundesrat stimmt für vielfältige Agroforstwirtschaft

In der Bundesratssitzung am 25. Juni 2021 wurde mehrheitlich für den am 19. Mai 2021 vom Land Thüringen eingebrachten Antrag (Drucksache 420/21) zur Förderung von Agroforstsystemen gestimmt.

Dem Ergänzungsantrag (Drucksache 420/1/21) des Umweltministeriums von Baden-Württemberg wurde nicht zugestimmt. Mit diesem Ergänzungsantrag sollte die Anlage von Agroforstsystemen an Restriktionen des Naturschutzes gebunden werden, die die Umsetzung von Agroforstsystemen in der landwirtschaftlichen Praxis nahezu verunmöglicht hätte. Aus Sicht des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft (DeFAF e.V.) sind derartige Bedingungen bei der Anlage eines Agroforstsystems nicht zielführend und zudem mit Blick auf den überwiegenden Teil der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland fachlich unbegründet.

Denn die „Agroforstwirtschaft trägt zu mehr Klimaschutz bei, fördert die Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und erhöht deren Klimaresilienz“, so der DeFAF. Deshalb lohne es sich, sowohl für die Landwirte als auch für die Natur, mehr Agroforstsysteme anzulegen und dieses seitens der Politik zu fördern.

Der nun beschlossene Antrag enthält drei Kernforderungen an die Bundesregierung:

  • Feste Verankerung von Agroforstsystemen im Agrarfördersystem, wobei bestehende Hemmnisse bei der Etablierung und Förderung von Agroforstsystemen bis zum Inkrafttreten der neuen GAP-Förderperiode abzubauen sind.
  • Vorlage einer rechtsverbindlichen Definition von Agroforstsystemen im Kontext der Agrarförderung mit Inkrafttreten der neuen GAP-Förderperiode, bei der auf bestehenden Ackerflächen die reversiblen Gehölzelemente Teil der produktiven landwirtschaftlichen Nutzfläche bleiben.
  • Unterstützung der Länder bei der Umsetzung von Agroforstsystemen und in diesem Zusammenhang Aufnahme des Fördertatbestandes „Agroforstwirtschaft“ in den GAK-Rahmenplan.

Für das Vorankommen einer vielfältigen Agroforstwirtschaft in Deutschland stellt der Bundesratsbeschluss einen wichtigen Meilenstein dar. „Nun gilt es, den in Bundestag und Bundesrat geäußerten politischen Willen auf Verordnungsebene im Sinne einer größtmöglichen Vielfalt an rechtlich möglichen und förderfähigen Agroforstsystemen umzusetzen.“, so der DeFAF. Die Weichen dafür sind jedenfalls vorerst in die richtige Richtung gestellt und viele Bauern und Bäuerinnen, die ihre Landnutzung klimagerecht gestalten wollen, können bald mit mehr Unterstützung rechnen.

Agroforstsystem mit Pioniergehölzen

vielfältige Agroforstwirtschaft steht auf dem Spiel

Liebe Mitstreiter*innen für eine klimagerechte Landwirtschaft,

 
im Bundesrat hat das Land Thüringen einen Entschließungsantrag zur Agroforstwirtschaft (Drucksache 420/21) eingebracht. Ziel ist, dass Landwirten endlich ermöglicht wird, ohne große Hürden Bäume auf ihre Äcker und Wiesen zu pflanzen, also vielfältige Agroforstsysteme anzulegen. Dies würde für Klimaschutz und Biodiversität einen enormen Fortschritt bedeuten, denn

– In Agroforstsystemen wird bedeutend mehr Humus aufgebaut und Kohlenstoff gebunden als in „normaler“ Landwirtschaft1–4

– Das Lokal- und Regionalklima lässt sich nachweislich signifikant abkühlen5–7

– Locker mit Bäumen durchsetzte Landschaften sind am besten für die Grundwasserneubildung und sichern die Trinkwasserversorgung8

– Agroforstsysteme schützen Gewässer und Böden vor Schadstoffen9–11

– Erosion wird vermieden, da die Böden mehr Wasser aufnehmen können und der Wind gebremst wird11,12

– Die Nahrungsmittelproduktion wird gegenüber Dürren und Unwettern stabilisiert, da Getreide etc. vor Austrocknung und Wind geschützt werden13,14

– Landwirtschaftliche Erträge können gesteigert werden: In Brandenburg wurden in Agroforstsystemen bis zu 16% Mehrertrag im Getreide festgestellt13

– Bäume produzieren den Großteil der Bioaerosole, die wiederum den Großteil der Wolkenbildung tragen: Ein deutlicher Mehrwert für den Klimaschutz über die Kohlenstoffbindung hinaus!8,15,16

– Schon einfache Baumstreifen mit schnellwachsenden Arten bieten Lebensraum für fast das 10fache an Arten im Vergleich zu Äckern ohne Bäume14,17

– Agroforstsysteme haben diese und weitere positive Effekte, egal ob der Betrieb konventionell, bio, demeter etc. arbeitet!

Doch nun könnte durch einen Änderungsantrag des baden-württembergischen Umweltministerium das ganze kippen! Demnach sollen nur „extensive Agroforstsysteme“ gefördert werden, nur „einheimische Gehölze“ sollen erlaubt sein, und die Pflanzung muss durch die Naturschutzbehörde genehmigt werden. Das wäre für die Wiederbegrünung unserer Landschaft und für den Klimaschutz ein schwerer Schlag – denn viele Landwirte wollen Klima, Gewässer, Böden etc. schützen, sie benötigen dabei aber einen Ertrag von ihren Flächen. Im Klimawandel braucht es dazu robuste Pflanzenzüchtungen und sicher auch Arten, die wir bisher hier nicht anbauen.

Sollte der Änderungsantrag durchgehen, ist zu befürchten, dass man sich bei der Ausgestaltung an bestehenden Verordnungen über gebietsheimische Arten und alte Sorten orientiert. Dann könnten Landwirte z.B. keine für den Obstbau neu gezüchteten Sorten oder hitzetolerante Fruchtgehölze aus wämeren Gegenden anbauen – das Aus für wichtige Klimabäume wie Esskastanie oder Baumhasel oder z.B. für trockenheitstolerante Apfelsorten.

Auch neu gezüchtete Pappeln oder Weiden, die mit Dürre und Wetterextremen klarkommen wären tabu – wo wir doch dringend auf nachwachsende Rohstoffe umsteigen müssen!

Ich habe als Planer allein in den letzten 2 Jahren hunderte Hektar sehr diverse Agroforstsysteme mit Betrieben umgesetzt und bei tausenden Hektar beraten. Die Landwirte wollen etwas ändern! Wenn wir ihnen jetzt Steine in den Weg legen wird unsere nicht klimagerechte Agrarlandschaft auf Jahrzehnte zementiert. Hier leistet der Naturschutz der Verwüstung Vorschub und das baden-württembergische Umweltministerium macht mit.

Bitte macht in eurem Umfeld bzw. über eure Kanäle auf die Problematik aufmerksam oder wendet euch direkt an das baden-württembergische Umweltministerium:

poststelle@um.bwl.de

Wir brauchen die Möglichkeit, die Landschaft klimagerecht umzubauen. Dazu müssen wir mit Bedacht, aber konsequent neue Baumarten pflanzen und brauchen auch neue Sorten. Die Agrarlandschaft mit ihren oft großen Freiflächen ist im Klimawandel nicht haltbar, da sie zu Austrocknung und Überhitzung beiträgt. Wir brauchen die Freiheit, diese Strukturen zu verändern. In der Produktionsfläche der Landwirtschaftsbetriebe müssen diese entscheiden können, welche Bäume sie pflanzen – nur so werden viele ihre Flächen und damit die Landschaft klimagerecht umbauen. Dogmatisches Festhalten am Schutz einzelner Arten oder an einem von der Verschiebung der Klimazonen schon überholten Naturbild sind jetzt kontraproduktiv.


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Dipl.-Forstwirt Philipp Gerhardt

http://baumfeldwirtschaft.de
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Mehr Infos zum Antrag im Bundesrat unter

https://www.topagrar.com/energie/news/kritik-der-abl-thueringens-agroforst-antrag-im-bundesrat-droht-zu-scheitern-12601663.html?utm_campaign=index&utm_source=topagrar&utm_medium=referral

https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2021/06/thueringens-initiative-im-bundesrat-fuer-die-agroforstwirtschaft-droht-zweckentfremdung-397825

https://www.bundesrat.de/SharedDocs/beratungsvorgaenge/2021/0401-0500/0420-21.html?nn=4353186
 
Problematische Änderungen in der Ausschussempfehlung (siehe Nummer 4a – neu):
https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2021/0401-0500/420-1-21.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Vielen Dank für die Initiative, die wichtige Lobbyarbeit und die Zusammenstellung der Links an meinen Kollegen Daniel Fischer, Agroforst-Beauftragter der AbL Mitteldeutschland e.V.!



Quellen:

1. Schwarzer, S. The potental of carbon sequestraton in the soil. Foresight Brief – Early Warning, Emerging Issues and Futures 13 (2019).

2. Cardinael, R. et al. Increased soil organic carbon stocks under agroforestry: A survey of six different sites in France. Agriculture, Ecosystems & Environment 236, 243–255 (2017).

3. Mohan Kumar, B. & Nair, P. Carbon sequestration potential of agroforestry systems: Opportunities and challenges. advances in agroforestry 8. Springer Science and Business Media (2011).

4. Mosquera-Losada, M. R., Freese, D. & Rigueiro-Rodríguez, A. Carbon Sequestration in European Agroforestry Systems. in Carbon Sequestration Potential of Agroforestry Systems (eds. Kumar, B. M. & Nair, P. K. R.) vol. 8 43–59 (Springer Netherlands, 2011).

5. Tölle, M. H., Gutjahr, O., Busch, G. & Thiele, J. C. Increasing bioenergy production on arable land: Does the regional and local climate respond? Germany as a case study. J. Geophys. Res. Atmos. 119, 2711–2724 (2014).

6. House-Peters, L. A. & Chang, H. Modeling the impact of land use and climate change on neighborhood-scale evaporation and nighttime cooling: A surface energy balance approach. Landscape and Urban Planning 103, 139–155 (2011).

7. Layton, K. & Ellison, D. Induced precipitation recycling (IPR): A proposed concept for increasing precipitation through natural vegetation feedback mechanisms. Ecological Engineering 91, 553–565 (2016).

8. Ellison, D. et al. Trees, forests and water: Cool insights for a hot world. Global Environmental Change 43, 51–61 (2017).

9. Kumar, S. Agroforestry and grass buffers for improving soil hydraulic properties and reducing runoff and sediment losses from grazed pastures. (University of Missouri–Columbia, 2009). doi:10.32469/10355/9867.

10. Ryan, J., Mcalpine, C., Ludwig, J. & Callow, J. Modelling the Potential of Integrated Vegetation Bands (IVB) to Retain Stormwater Runoff on Steep Hillslopes of Southeast Queensland, Australia. Land 4, 711 (2015).

11. Anderson, S. H., Udawatta, R. P., Seobi, T. & Garrett, H. E. Soil water content and infiltration in agroforestry buffer strips. Agroforest Syst 75, 5–16 (2009).

12. Udawatta, R. P., Krstansky, J. J., Henderson, G. S. & Garrett, H. E. Agroforestry Practices, Runoff, and Nutrient Loss: A Paired Watershed Comparison. J. ENVIRON. QUAL. 31, 12 (2002).

13. Kanzler, M., Böhm, C., Mirck, J., Schmitt, D. & Veste, M. Microclimate effects on evaporation and winter wheat (Triticum aestivum L.) yield within a temperate agroforestry system. Agroforestry Systems 93, 1821–1841 (2019).

14. Torralba, M., Fagerholm, N., Burgess, P. J., Moreno, G. & Plieninger, T. Do European agroforestry systems enhance biodiversity and ecosystem services? A meta-analysis. Agriculture, Ecosystems & Environment 230, 150–161 (2016).

15. Manoli, G. et al. Soil-plant-atmosphere conditions regulating convective cloud formation above southeastern US pine plantations. Glob Change Biol 22, 2238–2254 (2016).

16. Taraborrelli, D. et al. Hydroxyl radical buffered by isoprene oxidation over tropical forests. Nature Geosci 5, 190–193 (2012).

17. Unseld, R. et al. Leitfaden Agroforstsysteme – Möglichkeiten zur naturschutzgerechten Etablierung von Agroforstsystemen. (2011).

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Crowdfunding für Agroforst & Keyline Design am Hof Lebensberg

Begehung der Flächen für die geplanten Agroforstsysteme am Hof Lebensberg und Besprechung des Keyline Designs.

Das dieses Jahr gestartete Projekt „Hof Lebensberg“, das ich neulich zur Beratung besucht habe, beginnt derzeit mit der Pflanzung von rund 30.000 Bäumen für seine Agroforstflächen.

Geplant hat dort das junge Team von https://theforestfarmers.eu/. Aus der Waldgartengestaltung kommend und mit Erfahrung in den Tropen, haben sie für die rund 10 Hektar große Fläche ein dichtes Design mit viel Einsatz von Pioniergehölzen erarbeitet. Da das ganze nach Prinzipien des Keyline Designs strukturiert werden soll, konnte ich als Supervisor einen Blick auf die Planung werfen und muss sagen, dass in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet wurde!

Wenn die Hofgemeinschaft die vielen Herausforderungen eines neuen Gemeinschaftsprojekts meistert, wird hier in den nächsten Jahren sicher ein sehr schönes und produktives Agroforstsystem heranwachsen!

Über die gerade angelaufene Spendenkampagne kann man das Projekt „Hof Lebensberg“ bei der Finanzierung der Gehölzkulturen für den Landwirtschaftsbetrieb unterstützen:

https://www.startnext.com/gemeinsam-zukunft-pflanzen

Der Hof Lebensberg – nach den Plänen der Gemeinschaft schon bald umgeben von diversen Agroforstsystemen! Die Planer*innen von baumfeldwirtschaft.de und theforestfarmers.eu in fachliche Fragen vertieft…

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50 Hektar Windschutz und Wasserrückhalt

Auch die einfachen Agroforstsysteme bringen schon so viel in puncto Windschutz, Ersosionsvermeidung, Wasserrückhalt und damit eine stabilere Produktionsgrundlage für den Betrieb und Nahrungsmittelsicherheit für die Region! Im Frühjahr hatte ich die Planung für ein Agroforstsystem für den Landwirtschaftsbetrieb Zschoche zwischen Dessau und Köthen gemacht und ich freue mich sehr, hier die ersten Bilder zeigen zu können:

Agroforstsystem Landwirtschaftsbetrieb Zschoche 2020

Agroforstsystem Landwirtschaftsbetrieb Zschoche 2020

Agroforstsystem Landwirtschaftsbetrieb Zschoche 2020

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Keyline Design bei Berlin für Pflanzung vorbereitet

Derzeit werden die Vorbereitungen für die Pflanzung eines Agroforstsystems in der Nähe von Berlin abgeschlossen. Das System ist in einem Schlüssellinienmuster (siehe Keyline Design) strukturiert, so dass das Regenwasser bei Starkniederschlägen in der Fläche gehalten, an bestimmten Stellen gesammelt und so den Pflanzen für Trockenzeiten verfügbar gemacht wird. Gepflanzt werden Bäume wie z.B. die Walnuss oder Edelkastanie, die tief wurzeln, den Humusaufbau und Wasserrückhalt in der Fläche fördern und Nahrungsmittel Produzieren. Die Pflanzung wird im Spätherbst mit Studierenden der Forstlichen Hochschule Tharandt durchgeführt. Der Gründer dieser altehrwürdigen Einrichtung, Heinrich Cotta, würde sich sicher freuen, dass im Jahr des 200. Jubiläums des Erscheinens seiner „Baumfeldwirthschaft“ solch eine essbare Landschaft entsteht…

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Reaching the 1.5°goal and enhancing food security

Depending on the scenario, we need to sequester 100-1000 Gigatonnes of CO₂, to reach the 1.5° goal and maintain a good life on earth.
So, if we can reach 205 Gigatonnes of carbon sequestration by afforestation, that accounts for roughly 750 Gigatonnes of CO₂. But the IPCC warns that this may likely be in competition with food production. The same problem exists with planting bioenergy crops on croplands to feed bioenergy with carbon capture and storage facilities (which are far from beeing applicable on the scale needed).
But trees already existing on agricultural land worldwide now store about 36 Gigatonnes of carbon or 133 GT of CO₂. If we triple that amount, we could put additional 267 GT of CO₂ back into the soil. If we manage to have ten times as much trees on agricultural land as we have now, that would sequester 1197 Gigatonnes of CO₂ out of the atmosphere.
With my project baumfeldwirtschaft.de and the help of engaged farmers, we planted 100 times more trees in their croplands than there were before. And these trees – chestnuts, nuts and fruits – produce staple foods! Furthermore, the soil now is safe from erosion, the humus isn’t destroyed anymore but more is built up (even more carbon put in the soil), water is retained and accessible in dry summers, so that in the end even the crops grown between the trees deliver higher yields.

So we demonstrated here in central Europe, right outside Berlin, that it is possible to reach the 1.5° goal AND enhance food security, rural livelihoods, ecosystem services, water retention, biodiversity etc. It is possible – if we implement such agroforestry systems with tree crops on landscape scale.

Think about what you eat and buy… Maybe you can support local farmers in planting tree crops?

 

A significant change in the landscape, that has the power to fight climate change: A keyline pattern agroforestry system with tree crops for staple food production. Where there was barren cropland, now trees protect the soil and build up humus and water retention.

 

Sources:

Bastin, Jean-Francois, et al. 2019. The global tree restoration potential. Science. 2019, Bd. 365, 6448, S. 76-79.

IPCC. 2019. Climate Change and Land – An IPCC Special Report on climate change, desertifcation, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems. https://www.ipcc.ch/report/srccl/ Geneva, Switzerland : IPCC, 2019.
—. 2018. Global warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change. Geneva, Switzerland : IPCC, 2018.

Zomer, R.J., et al. 2016. Global Tree Cover and Biomass Carbon on Agricultural Land: The contribution of agroforestry to global and national carbon budgets. Nature Scientific Reports. 2016, 6 (29987).

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Agroforst von oben gesehen…

Auch über Google Maps vom Satelliten aus betrachtet sieht das Agroforstsystem südlich von Berlin auch sehr schön aus:

Satellitenbild von Google Maps: Eines meiner Agroforstsysteme mit Schlüssellinien-Struktur für mehr Wasserrückhalt im 2. Standjahr.

Das System habe ich mit einem sehr engagierten Landwirtschaftsbetrieb in einer konturangepassten Linienführung für mehr Wasserrückhalt angelegt. Es ist sicherlich das erste derartige System in Europa in dieser Größe!

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Esst mehr Bäume! – ein ackerbaufreies Rezept

Die Ernährung von Getreide und den meisten anderen Ackerbauprodukten ist nicht unbedingt sehr gesund, viele Menschen leiden bereits unter Allergien. Darüber hinaus schafft eine Ackerbaulandschaft riesige Probleme: Im großen Maßstab wird Humus zerstört, so dass Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt und den Klimawandel verstärkt. Die Böden verlieren ihre Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe zu speichern und so haben Dürren und Starkniederschläge immer katastrophalere Folgen. Die Landwirtschaft pfeift derzeit auf dem letzten Loch.

Im krassen Gegensatz dazu steht eine Ernährung, die auf einer „hölzernen Landwirtschaft“ aufbaut. Wenn wir Anbausysteme schaffen, die den Boden ungestört lassen, Humusaufbau, Feuchtigkeit, Erosionsschutz und eine Kühlung der Landschaft gewährleisten, können wir auch eine dauerhafte Nahrungsmittelversorung und ein stabiles Klima erhalten. Die Ernährung, die dabei herauskommt, besteht aus vielen Nüssen und anderen Baumfrüchten. Fleisch von Tieren, die in Agroforstsystemen wesensgerecht weiden, hat eine positive Klimabilanz, da der Humusaufbau die im Vergleich zu Stallhaltung geringeren Methanemissionen überkompensiert (Schwarzer 2019, Teague 2017). Wenn wir eine solche gesunde „Jägerinnen und Sammler“-Ernährung forcieren und entsprechende Produkte von der Landwirtschaft einfordern, können wir die Landschaft umbauen, so dass sie den Problemen unserer Zeit begegnen kann. Dieser Wandel beginnt in den Köpfen und dann in den Küchen!

Ein Wald, der vor 200 Jahren als Esskastanien-Plantage angelegt wurde. Kein anderes Landwirtschaftssystem ist so lange produktiv!

Deshalb hier wieder eine Möglichkeit, nur mit Produkten eine schmackhafte Speise herzustellen, die den Boden ungestört lassen und mehr Bäume und Sträucher in die Landschaft bringen:

Man nehme:

  • 400 g Esskastanienmehl
  • 4 Teelöffel Weinstein-Backpulver
  • 2 Eier aus Hühnerhaltung unter Bäumen
  • 200 g Felsenbirnen (Amelanchier spec., auch engl. „Saskatoon Berries“)
  • eine Prise Salz
  • 150 g Birkenzucker
  • 150 ml Milch aus reiner Weidehaltung, am besten unter Bäumen
  • ein Teelöffel Öl (z.B. Hasel- oder Walnussöl)

Natürlich kann man Eier und Milch auch durch vegane Alternativen ersetzen. Ich verwende aber bewusst die tierischen Produkte um dem Fakt Rechnung zu tragen, dass wir die Leistung der Tiere im Ökosystem brauchen, um die Umsetzungsprozesse so zu gestalten, dass ein massiver Humusaufbau gewährleistet werden kann.

  • Man verrühre mit einem Schneebesen Mehl, Backpulver, Eier, Salz, Birkenzucker und die Milch zu einem lockeren, zähflüssigen Teig.
  • Einen Esslöffel Mehl übrig lassen.
  • Dann hebe man die Felsenbirnen unter.
  • Eine Kuchenform mit dem Öl ausstreichen, dann den Esslöffel Mehl in die Form geben und sie gut auskleiden, um das Ankleben des Teigs zu vermeiden.
  • Dann den Teig in die Form füllen und bei ca. 175°C etwa 50 Minuten im Ofen backen.
  • Fertig.

Zutaten aus der Wald-Garten-Landschaft: Kuchen aus Felsenbirnen und Esskastanien.

 

Die Zutaten zu diesem Rezept haben ein großes Potential, um zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung und zu einem stabilen Klima beizutragen. Sowohl die Esskastanie (Castanea sativa, Castanea crenata und deren Hybriden) als auch die Felsenbirne (Amelanchier alnifolia, A. ovalis) sind sehr klimaplastisch, d.h. sie wachsen bereits gut in unserem Klima, sind aber auch noch sehr anpassungsfähig, wenn es wärmer und trockener wird. Beide Arten sind auch gut frosthart, so dass wir sie schon jetzt fast in ganz Mitteleuropa anbauen können. Sie wurzeln tief und produzieren ein gut zersetzliches Laub, das den Boden schützt und nährt. Sie lassen sich hervorragend mit Tierhaltung kombinieren und liefern als weiteres Produkt auch noch Holz. Die Ernte kann im großen Stil maschinell geschehen, ist aber immer auch ohne weiteres von Hand machbar (z.B., wenn fossile Rohstoffe knapp werden oder es wie jetzt klar ist, dass man diese lieber in der Erde lassen sollte). Eine „hölzerne Landwirtschaft“ – und es gibt noch viel mehr tolle Nährgehölze – ist im Gegensatz zum Ackerbau also auch klimaplastisch und viel besser an eine andere Ökonomie anpassbar.

Quellen:

Schwarzer, S.; 2019: The potental of carbon sequestraton in the soil. UN Environment Foresight Brief – Early Warning, Emerging Issues and Futures 13.

Tegaue, R.; 2017: Grazing management that regenerates ecosystem function and grazingland livelihoods. African Journal of Range & Forage Science 34.

 

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„Permakultur“ und das richtige Beobachten

Heinrich Cotta 1843. Inspiration für „Permakultur-Designer“?

Immer wieder höre ich von Leuten aus dem Dunstkreis der Permakultur, dass man lokal sinnvolle Landnutzungssysteme durch eine ständige und verständige Beobachtung gestalten kann. Doch oftmals sehe ich in diesem Feld Landnutzungssysteme, die weit weg von der Erfüllung der von ihnen gewünschten Funktionen sind, geschweige denn wirklich nachhaltig betrieben werden. Es ist in der Praxis dieses Planungsansatzes, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, leider oft so, dass das Beobachten durch Quereinsteiger und Laien nicht zum gewünschten Erfolg führt. Woran hakt es da? Ich finde, eine wunderbare Beschreibung des Problems liefert Heinricht Cotta, der schon 1811 über die Gestaltung von Waldökosystemen und die dazu notwendigen Fähigkeiten sagte:

Bloße Erfahrungen sind hier unzureichend; teils können sie nie vollständig genug im Umkreise eines Lernenden gefunden werden, teils setzen sie eine viel zu lange Reihe von Jahren voraus, als daß sie von einem einzigen Manne in unserem kurzen Erdenleben – viel weniger von einem Lernenden in seiner Lehrzeit – gemacht und geprüft werden könnten. Wir müssen also die Erfahrungen vieler, von vielen Jahren, aus vielen Gegenden, unter mannigfaltigen Umständen gesammelt, zusammenstellen; aus ihnen Hauptregeln ableiten, Grundsätze aufstellen und diese modifizieren lernen. – Dies sei die einzig geltende Theorie für uns, nicht aber spitzfindige, am Schreibtisch ausgeheckte Hirngespinste, leere Bücherweisheit und gelehrte Wortkrämerei… Der Beruf des Forstmannes ist halb Wissenschaft, halb Kunst, und nur die Ausführung macht hierbei den Meister.

Gerade in Zeiten des Klimawandels, aufgrund dessen wir rasch und effektiv handeln müssen, können wir uns kein langes und dann auch noch fehlgeleitetes Beobachten leisten. Ich möchte daher allen „Permakultur“-Begeisterten empfehlen, für sich zu prüfen, wie sie denn beobachten und wie sie ihre Schlüsse daraus ziehen. Schaue ich nur den Boden an, oder habe ich im Hintergrund ein paar Semester Bodenkunde, wodurch mir die Beobachtung viel mehr verrät? Beobachte ich ein einen Mißstand im Wasserhaushalt und erdenke mir ohne die „Erfahrungen vieler, von vielen Jahren, aus vielen Gegenden, unter mannigfaltigen Umständen gesammelt“ eine Lösung, oder habe ich vielleicht viele mögliche Systeme selbst gesehen und studiert (nicht unbedingt an einer Uni o.Ä.), mir also Keyline Designs angesehen, die Konstruktion von Reservoiren und Gräben etc. über mehrere Jahre gelernt?

Es geht darum, im Zeitalter des Internets endlich wieder aufzuhören, ständig nur die gleichen oberflächlichen Informationen zu wiederholen. Landnutzung ist ein derartiger Schlüsselfaktor im Kampf um ein Klima, in dem wir Menschen leben können, dass es wirklich ein Frevel ist, immer nur in Foren, Facebookgruppen und auf Youtube zu stöbern. Halbwissen hat die Angewohnheit, immer noch weniger zu werden: 0,5*0,5=0,25. Damit sollten wir nicht hinausgehen und Landnutzungen gestalten. Besser wäre es, sich mit erfahrenen Leuten zusammen zu tun oder sich zumindest gegenseitig immer wieder zu überprüfen und durch die Ausführung zum Meister zu werden. Dazu möchte ich ermutigen!

Auch nach über 200 Jahren behalten daher für „Permakultur-Designer“, Land- und Forstleute die Worte Gültigkeit:

Bedenken Sie, daß in unserem alles umwälzenden Zeitalter kein äußeres Glücksgut gesichert, kein jetziges Verhältnis für die Zukunft bürgt. Tausende besitzen heute nicht mehr, was sie vor wenig Jahren nie zu verlieren glaubten, und wer will die Schicksale ermessen, die unser noch in dem Hintergrunde der Zeiten warten können! – Nichts vermögen wir mit Gewißheit unser zu nennen, als was wir in uns selbst tragen. Fassen wir daher den unerschütterlich festen Vorsatz, Schätze in uns selbst zu sammeln, die Ihnen kein äußeres Verhältnis rauben kann. Suchen Sie Ihre Kenntnisse möglichst zu erweitern. Bilden sie sich vor allem zu braven rechtschaffenen Menschen, lernen Sie dabei entbehren und Anstrengungen ertragen, dann können Sie allen Stürmen der Zeit trotzen!

Zitate aus COTTA, Heinrich: Rede, gehalten bei Eröffnung der Forstlehranstalt zu Tharandt am 24. Mai 1811. Tharandt, 1811.