Arbeitskarte Planung Agroforstsystem in Keyline Design

Keyline Design bei Berlin für Pflanzung vorbereitet

  • Taschenteich (engl. Pocket Pond) in einem Keyline Design
    In einem Geländeeinschnitt wird Oberflächen- und Hangzugwasser zusammengeführt und in einer Mulde gesammelt. Hier kann trägt es zu Taubildung bei, versickert langsam und hält damit die Umgebung länger feucht.

Derzeit werden die Vorbereitungen für die Pflanzung eines Agroforstsystems in der Nähe von Berlin abgeschlossen. Das System ist in einem Schlüssellinienmuster (siehe Keyline Design) strukturiert, so dass das Regenwasser bei Starkniederschlägen in der Fläche gehalten, an bestimmten Stellen gesammelt und so den Pflanzen für Trockenzeiten verfügbar gemacht wird. Gepflanzt werden Bäume wie z.B. die Walnuss oder Edelkastanie, die tief wurzeln, den Humusaufbau und Wasserrückhalt in der Fläche fördern und Nahrungsmittel Produzieren. Die Pflanzung wird im Spätherbst mit Studierenden der Forstlichen Hochschule Tharandt durchgeführt. Der Gründer dieser altehrwürdigen Einrichtung, Heinrich Cotta, würde sich sicher freuen, dass im Jahr des 200. Jubiläums des Erscheinens seiner „Baumfeldwirthschaft“ solch eine essbare Landschaft entsteht…

Arbeitskarte Planung Agroforstsystem in Keyline Design

Reaching the 1.5°goal and enhancing food security

Depending on the scenario, we need to sequester 100-1000 Gigatonnes of CO₂, to reach the 1.5° goal and maintain a good life on earth.
So, if we can reach 205 Gigatonnes of carbon sequestration by afforestation, that accounts for roughly 750 Gigatonnes of CO₂. But the IPCC warns that this may likely be in competition with food production. The same problem exists with planting bioenergy crops on croplands to feed bioenergy with carbon capture and storage facilities (which are far from beeing applicable on the scale needed).
But trees already existing on agricultural land worldwide now store about 36 Gigatonnes of carbon or 133 GT of CO₂. If we triple that amount, we could put additional 267 GT of CO₂ back into the soil. If we manage to have ten times as much trees on agricultural land as we have now, that would sequester 1197 Gigatonnes of CO₂ out of the atmosphere.
With my project baumfeldwirtschaft.de and the help of engaged farmers, we planted 100 times more trees in their croplands than there were before. And these trees – chestnuts, nuts and fruits – produce staple foods! Furthermore, the soil now is safe from erosion, the humus isn’t destroyed anymore but more is built up (even more carbon put in the soil), water is retained and accessible in dry summers, so that in the end even the crops grown between the trees deliver higher yields.

So we demonstrated here in central Europe, right outside Berlin, that it is possible to reach the 1.5° goal AND enhance food security, rural livelihoods, ecosystem services, water retention, biodiversity etc. It is possible – if we implement such agroforestry systems with tree crops on landscape scale.

Think about what you eat and buy… Maybe you can support local farmers in planting tree crops?

 

A significant change in the landscape, that has the power to fight climate change: A keyline pattern agroforestry system with tree crops for staple food production. Where there was barren cropland, now trees protect the soil and build up humus and water retention.

 

Sources:

Bastin, Jean-Francois, et al. 2019. The global tree restoration potential. Science. 2019, Bd. 365, 6448, S. 76-79.

IPCC. 2019. Climate Change and Land – An IPCC Special Report on climate change, desertifcation, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems. https://www.ipcc.ch/report/srccl/ Geneva, Switzerland : IPCC, 2019.
—. 2018. Global warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change. Geneva, Switzerland : IPCC, 2018.

Zomer, R.J., et al. 2016. Global Tree Cover and Biomass Carbon on Agricultural Land: The contribution of agroforestry to global and national carbon budgets. Nature Scientific Reports. 2016, 6 (29987).

Arbeitskarte Planung Agroforstsystem in Keyline Design

Agroforst von oben gesehen…

Auch über Google Maps vom Satelliten aus betrachtet sieht das Agroforstsystem südlich von Berlin auch sehr schön aus:

Satellitenbild von Google Maps: Eines meiner Agroforstsysteme mit Schlüssellinien-Struktur für mehr Wasserrückhalt im 2. Standjahr.

Das System habe ich mit einem sehr engagierten Landwirtschaftsbetrieb in einer konturangepassten Linienführung für mehr Wasserrückhalt angelegt. Es ist sicherlich das erste derartige System in Europa in dieser Größe!

Arbeitskarte Planung Agroforstsystem in Keyline Design

„Permakultur“ und das richtige Beobachten

Heinrich Cotta 1843. Inspiration für „Permakultur-Designer“?

Immer wieder höre ich von Leuten aus dem Dunstkreis der Permakultur, dass man lokal sinnvolle Landnutzungssysteme durch eine ständige und verständige Beobachtung gestalten kann. Doch oftmals sehe ich in diesem Feld Landnutzungssysteme, die weit weg von der Erfüllung der von ihnen gewünschten Funktionen sind, geschweige denn wirklich nachhaltig betrieben werden. Es ist in der Praxis dieses Planungsansatzes, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, leider oft so, dass das Beobachten durch Quereinsteiger und Laien nicht zum gewünschten Erfolg führt. Woran hakt es da? Ich finde, eine wunderbare Beschreibung des Problems liefert Heinricht Cotta, der schon 1811 über die Gestaltung von Waldökosystemen und die dazu notwendigen Fähigkeiten sagte:

Bloße Erfahrungen sind hier unzureichend; teils können sie nie vollständig genug im Umkreise eines Lernenden gefunden werden, teils setzen sie eine viel zu lange Reihe von Jahren voraus, als daß sie von einem einzigen Manne in unserem kurzen Erdenleben – viel weniger von einem Lernenden in seiner Lehrzeit – gemacht und geprüft werden könnten. Wir müssen also die Erfahrungen vieler, von vielen Jahren, aus vielen Gegenden, unter mannigfaltigen Umständen gesammelt, zusammenstellen; aus ihnen Hauptregeln ableiten, Grundsätze aufstellen und diese modifizieren lernen. – Dies sei die einzig geltende Theorie für uns, nicht aber spitzfindige, am Schreibtisch ausgeheckte Hirngespinste, leere Bücherweisheit und gelehrte Wortkrämerei… Der Beruf des Forstmannes ist halb Wissenschaft, halb Kunst, und nur die Ausführung macht hierbei den Meister.

Gerade in Zeiten des Klimawandels, aufgrund dessen wir rasch und effektiv handeln müssen, können wir uns kein langes und dann auch noch fehlgeleitetes Beobachten leisten. Ich möchte daher allen „Permakultur“-Begeisterten empfehlen, für sich zu prüfen, wie sie denn beobachten und wie sie ihre Schlüsse daraus ziehen. Schaue ich nur den Boden an, oder habe ich im Hintergrund ein paar Semester Bodenkunde, wodurch mir die Beobachtung viel mehr verrät? Beobachte ich ein einen Mißstand im Wasserhaushalt und erdenke mir ohne die „Erfahrungen vieler, von vielen Jahren, aus vielen Gegenden, unter mannigfaltigen Umständen gesammelt“ eine Lösung, oder habe ich vielleicht viele mögliche Systeme selbst gesehen und studiert (nicht unbedingt an einer Uni o.Ä.), mir also Keyline Designs angesehen, die Konstruktion von Reservoiren und Gräben etc. über mehrere Jahre gelernt?

Es geht darum, im Zeitalter des Internets endlich wieder aufzuhören, ständig nur die gleichen oberflächlichen Informationen zu wiederholen. Landnutzung ist ein derartiger Schlüsselfaktor im Kampf um ein Klima, in dem wir Menschen leben können, dass es wirklich ein Frevel ist, immer nur in Foren, Facebookgruppen und auf Youtube zu stöbern. Halbwissen hat die Angewohnheit, immer noch weniger zu werden: 0,5*0,5=0,25. Damit sollten wir nicht hinausgehen und Landnutzungen gestalten. Besser wäre es, sich mit erfahrenen Leuten zusammen zu tun oder sich zumindest gegenseitig immer wieder zu überprüfen und durch die Ausführung zum Meister zu werden. Dazu möchte ich ermutigen!

Auch nach über 200 Jahren behalten daher für „Permakultur-Designer“, Land- und Forstleute die Worte Gültigkeit:

Bedenken Sie, daß in unserem alles umwälzenden Zeitalter kein äußeres Glücksgut gesichert, kein jetziges Verhältnis für die Zukunft bürgt. Tausende besitzen heute nicht mehr, was sie vor wenig Jahren nie zu verlieren glaubten, und wer will die Schicksale ermessen, die unser noch in dem Hintergrunde der Zeiten warten können! – Nichts vermögen wir mit Gewißheit unser zu nennen, als was wir in uns selbst tragen. Fassen wir daher den unerschütterlich festen Vorsatz, Schätze in uns selbst zu sammeln, die Ihnen kein äußeres Verhältnis rauben kann. Suchen Sie Ihre Kenntnisse möglichst zu erweitern. Bilden sie sich vor allem zu braven rechtschaffenen Menschen, lernen Sie dabei entbehren und Anstrengungen ertragen, dann können Sie allen Stürmen der Zeit trotzen!

Zitate aus COTTA, Heinrich: Rede, gehalten bei Eröffnung der Forstlehranstalt zu Tharandt am 24. Mai 1811. Tharandt, 1811.

Arbeitskarte Planung Agroforstsystem in Keyline Design

Blütenvielfalt statt Monokultur

Blühende Vielfalt: In diesem Agroforstsystem werden derzeit fruchttragende Bäume mit dem Anbau von Bienenweide und Gründüngung zum Humusaufbaui kombiniert.

Wo bisher ein Acker war, wird nun Humus aufgebaut und für Bienen und andere Insekten steht eine reichhaltige Blütenvielfalt bereit. Die anfängliche Investition lohnt sich nicht nur für den Betrieb, sondern auch für die umgebende Landschaft und die Bevölkerung. Schon jetzt freuen sich Imker im Umfeld über das Refugium für Ihre Nutztiere in der sonst so ausgeräumten Landschaft. Wenn man die Umgebung noch vor 2 Jahren durchwandert hat, wird man den Unterschied bemerken, denn nun wird es auch an heißen Sommertagen spürbar weniger heiß und trocken. In den kommenden Jahren wird sich das sicherlich noch verstärken und wir wollen hoffen, dass in der gesamten Landwirtschaft ein Umdenken geschieht. Vielleicht können wir doch noch flächendeckend zu einerPflegnutzung der Landschaft zurück kommen, die Artenvielfalt erhalten und das Klima stabilisieren? Packen wir es an!

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Der Waldgarten-Kuchen: Klimaschutz kinderleicht und lecker!

 

Ein Kuchen, der das Klima schützt? Ja, ganz einfach!

Wenn wir den Anbau von Gehölzen als Nahrungsmittellieferanten fördern, entwickelt sich als Gegenmodell zum Ackerbau, der keine nennenswerte Kohlenstoffbindung zulässt, eine „hölzerne Landwirtschaft“: Bäume, Sträucher und andere mehrjährige Pflanzen können die Basis einer gesunden Ernährung bilden und gleichzeitig durchwurzeln sie dauerhaft und tief den Boden, so dass Wasser und Nährstoffe gehalten werden. Sie schützen den Boden vor Wind und Austrocknung und unter ihnen entsteht wertvoller Humus im Boden, der große Mengen CO2 aus der Atmosphäre speichert. Dazu kommt eine Beweidung mit Rindern, Schafen, Hühnern etc., die uns wertvolle Produkte liefern und durch ihre Rolle im Ökosystem bei richtiger Bewirtschaftung ebenfalls zum Humusaufbau beitragen.

Das Rezept

Alle Zutaten aus Waldgärten / Agroforstwirtschaft, keine einjährigen Pflanzen!

400g Esskastanienmehl, 2 Eier, 125g Butter und eine Prise Salz zu einem Teig verkneten.

2/3 des Teigs in eine Springform drücken.

4-6 Stangen Rhabarber kleinschneiden und mit 100-200g Birkenzucker vermischen.

Den Rhabarber in die mit Teig ausgekleidete Form füllen, den Rest des Teigs als Streusel oben drauf. Das ganze bei ca. 180°C ca. 45 Minuten im Ofen (Ökostrom, Solarofen etc…) backen. Dann mit jung und alt im Schatten großer Bäume genießen.

 

Die Vision

Stellt euch mal vor, statt dürrer, staubiger Äcker hätten wir z.B. um Berlin herum eine lichte Wald-Weide-Landschaft. Die Bäume produzieren jedes Jahr Früchte wie Esskastanien oder verschiedene Nüsse, die zum krisensicheren Grundnahrungsmittel werden. In ihrem Schatten weiden Tiere und die Menschen genießen die Kühle und das Blätterrauschen im Wind. Dürreperioden werden abgemildert und es gibt wieder mehr Niederschläge und Trinkwasser… Überall summt, brummt und zwitschert es, weil auch die Insekten und Vögel wieder Nahrung und Lebensraum finden. Die Landschaft ist so schön, dass die Menschen wieder viel mehr draußen unterwegs sind, statt Autos, Unterhaltungselektronik und andere Ersatzbefriedigungen zu konsumieren. Der sinnlose Ressourcenverbrauch findet ein Ende und wir gewinnen den Kampf um ein stabiles Klima und ein gutes Leben für alle.

Übrigens

Besonders für Menschen interessant, deren Körper allergisch auf die industrielle, einjährige Landwirtschaft reagieren: Esskastanienmehl ist glutenfrei und sehr reich an Mineralstoffen. In Berlin gibt es z.B. die „Jute Bäckerei“, die ausschließlich glutenfrei bäckt und auch Brote mit Esskastanienmehl anbieten.

Ein Wald, der vor 200 Jahren als Esskastanien-Plantage angelegt wurde. Jedes Jahr können Menschen hier viele Tonnen Nahrung ernten, obwohl die landwirtschaftliche Nutzung schon vor langer Zeit aufgegeben wurde. Kein anderes Landwirtschaftssystem ist so lange produktiv!
Arbeitskarte Planung Agroforstsystem in Keyline Design

Keyline Design für Solidarische Landwirtschaft wächst und gedeiht

Luftaufnahme vom Keyline Design, das ich 2018 für die Solidarische Landwirtschaft ‚Minga‘ bei Zürich erstellt und eingemessen habe. Foto von Urs Ambühl.

Die nahe Zürich gelegene Solidarische Landwirtschaft ‚Minga vo Meile‚ hat im Jahr 2018 einen Selbsterntegarten mit ausschließlich mehrjährigen Gemüsen, Stauden, Sträuchern und Bäumen angelegt. Dafür habe ich ein Schlüssellinienmuster (siehe Keyline Design) erstellt und eingemessen. Damit wird der Feuchtigkeitshaushalt der Fläche ausgeglichen, indem die Pflanz- bzw. Beetreihen ein leichtes Gefälle vom feuchteren zum trockenern Bereich der Fläche aufweisen. Die Stellen, an denen es oft zu nass war und wo es zu Oberflächenabfluss kam, werden also hinsichtlich dieser Problematik entschärft. Dort, wo es vorher trockener war, steht mehr Wasser zur Verfügung, das dort außerdem länger gehalten wird und in die Tiefe einsickern kann.
Eine ausführliche Beratung zu Fruchtertragsgehölzen und anderen Aspekten von Agroforstsystemen wurde auch dort in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Permagold, PARela und baumfeldwirtschaft.de durchgeführt und zahlreiche Studierende waren vor Ort um sich mit uns über Keyline Design etc. auszutauschen. So wurde schon im Planungsprozess ein wesentliches Ziel der SoLaWi berücksichtigt, nämlich Wissensaustausch und gemeinsames Lernen zu fördern. Das Design, was nun dort angelegt wurde, hat eine Modellcharakter für kleinere und insbesondere solidarische Landwirtschaften.

Kürzlich habe ich einige Aufnahmen bekommen, die zeigen, wie das System jetzt, ein halbes Jahr nach der Anlage aussieht. Das schöne ist, dass dort eine auf Gehölzkulturen basierende, also den Boden nicht störende, Nahrungsmittelproduktion mit Schlüssellinienkultur (siehe Keyline Design), dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft und der Selbsternte kombiniert werden. Dadurch ergeben sich nicht nur zahlreiche positive Effekte  für das lokale Ökosystem und das Klima, sondern es entsteht auch ein Ökosystembewusstsein unter der bewirtschaftenden Gemeinschaft.