Kastanien-Felsenbirnen-Kuchen

Der Waldgarten-Kuchen: Klimaschutz kinderleicht und lecker!

 

Ein Kuchen, der das Klima schützt? Ja, ganz einfach!

Wenn wir den Anbau von Gehölzen als Nahrungsmittellieferanten fördern, entwickelt sich als Gegenmodell zum Ackerbau, der keine nennenswerte Kohlenstoffbindung zulässt, eine „hölzerne Landwirtschaft“: Bäume, Sträucher und andere mehrjährige Pflanzen können die Basis einer gesunden Ernährung bilden und gleichzeitig durchwurzeln sie dauerhaft und tief den Boden, so dass Wasser und Nährstoffe gehalten werden. Sie schützen den Boden vor Wind und Austrocknung und unter ihnen entsteht wertvoller Humus im Boden, der große Mengen CO2 aus der Atmosphäre speichert. Dazu kommt eine Beweidung mit Rindern, Schafen, Hühnern etc., die uns wertvolle Produkte liefern und durch ihre Rolle im Ökosystem bei richtiger Bewirtschaftung ebenfalls zum Humusaufbau beitragen.

Das Rezept

Alle Zutaten aus Waldgärten / Agroforstwirtschaft, keine einjährigen Pflanzen!

400g Esskastanienmehl, 2 Eier, 125g Butter und eine Prise Salz zu einem Teig verkneten.

2/3 des Teigs in eine Springform drücken.

4-6 Stangen Rhabarber kleinschneiden und mit 100-200g Birkenzucker vermischen.

Den Rhabarber in die mit Teig ausgekleidete Form füllen, den Rest des Teigs als Streusel oben drauf. Das ganze bei ca. 180°C ca. 45 Minuten im Ofen (Ökostrom, Solarofen etc…) backen. Dann mit jung und alt im Schatten großer Bäume genießen.

 

Die Vision

Stellt euch mal vor, statt dürrer, staubiger Äcker hätten wir z.B. um Berlin herum eine lichte Wald-Weide-Landschaft. Die Bäume produzieren jedes Jahr Früchte wie Esskastanien oder verschiedene Nüsse, die zum krisensicheren Grundnahrungsmittel werden. In ihrem Schatten weiden Tiere und die Menschen genießen die Kühle und das Blätterrauschen im Wind. Dürreperioden werden abgemildert und es gibt wieder mehr Niederschläge und Trinkwasser… Überall summt, brummt und zwitschert es, weil auch die Insekten und Vögel wieder Nahrung und Lebensraum finden. Die Landschaft ist so schön, dass die Menschen wieder viel mehr draußen unterwegs sind, statt Autos, Unterhaltungselektronik und andere Ersatzbefriedigungen zu konsumieren. Der sinnlose Ressourcenverbrauch findet ein Ende und wir gewinnen den Kampf um ein stabiles Klima und ein gutes Leben für alle.

Übrigens

Besonders für Menschen interessant, deren Körper allergisch auf die industrielle, einjährige Landwirtschaft reagieren: Esskastanienmehl ist glutenfrei und sehr reich an Mineralstoffen. In Berlin gibt es z.B. die „Jute Bäckerei“, die ausschließlich glutenfrei bäckt und auch Brote mit Esskastanienmehl anbieten.

Ein Wald, der vor 200 Jahren als Esskastanien-Plantage angelegt wurde. Jedes Jahr können Menschen hier viele Tonnen Nahrung ernten, obwohl die landwirtschaftliche Nutzung schon vor langer Zeit aufgegeben wurde. Kein anderes Landwirtschaftssystem ist so lange produktiv!
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Keyline Design für Solidarische Landwirtschaft wächst und gedeiht

Luftaufnahme vom Keyline Design, das ich 2018 für die Solidarische Landwirtschaft ‚Minga‘ bei Zürich erstellt und eingemessen habe. Foto von Urs Ambühl.

Die nahe Zürich gelegene Solidarische Landwirtschaft ‚Minga vo Meile‚ hat im Jahr 2018 einen Selbsterntegarten mit ausschließlich mehrjährigen Gemüsen, Stauden, Sträuchern und Bäumen angelegt. Dafür habe ich ein Schlüssellinienmuster (siehe Keyline Design) erstellt und eingemessen. Damit wird der Feuchtigkeitshaushalt der Fläche ausgeglichen, indem die Pflanz- bzw. Beetreihen ein leichtes Gefälle vom feuchteren zum trockenern Bereich der Fläche aufweisen. Die Stellen, an denen es oft zu nass war und wo es zu Oberflächenabfluss kam, werden also hinsichtlich dieser Problematik entschärft. Dort, wo es vorher trockener war, steht mehr Wasser zur Verfügung, das dort außerdem länger gehalten wird und in die Tiefe einsickern kann.
Eine ausführliche Beratung zu Fruchtertragsgehölzen und anderen Aspekten von Agroforstsystemen wurde auch dort in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Permagold, PARela und baumfeldwirtschaft.de durchgeführt und zahlreiche Studierende waren vor Ort um sich mit uns über Keyline Design etc. auszutauschen. So wurde schon im Planungsprozess ein wesentliches Ziel der SoLaWi berücksichtigt, nämlich Wissensaustausch und gemeinsames Lernen zu fördern. Das Design, was nun dort angelegt wurde, hat eine Modellcharakter für kleinere und insbesondere solidarische Landwirtschaften.

Kürzlich habe ich einige Aufnahmen bekommen, die zeigen, wie das System jetzt, ein halbes Jahr nach der Anlage aussieht. Das schöne ist, dass dort eine auf Gehölzkulturen basierende, also den Boden nicht störende, Nahrungsmittelproduktion mit Schlüssellinienkultur (siehe Keyline Design), dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft und der Selbsternte kombiniert werden. Dadurch ergeben sich nicht nur zahlreiche positive Effekte  für das lokale Ökosystem und das Klima, sondern es entsteht auch ein Ökosystembewusstsein unter der bewirtschaftenden Gemeinschaft.

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Brücker Waldgarten auf der „Karte von morgen“

Das gemeinnützige Projekt „Karte von morgen“ möchte Initiativen für einen sozialen und ökologischen Wandel sichtbar machen und vernetzen. Die Karte ist unter http://kartevonmorgen.org zu finden und jede*r kann hier Projekte und Unternehmen hinzufügen. Der nahe Berlin gelegene Waldgarten „Lummerland“, der zum Projekthaus „Frieda“ in Brück gehört, hat einen eigenen Eintrag und bereits eine erste Bewertung bekommen! Ich freue mich sehr, dass dieses ambitionierte Projekt so auch einer breiteren Öffentlichkeit sichtbar wird und die örtliche Gemeinschaft vielleicht Zulauf erhält. Natürlich bin ich auch sehr erfreut darüber, dass so vielleicht mehr Menschen vom dortigen Kursangebot erfahren und sich das Wissen, dass es für die gelingende Bewirtschaftung eines Waldgartens braucht, weiter verbreiten kann. Wenn ihr an einem Kurs oder Aktionswochenende im Waldgarten Lummerland teilgenommen habt, dann unterstüzt das Projekt gern mit einem Kommentar auf der „Karte von morgen“ – das ist sicherlich nachhaltiger als in kommerziellen Sozialen Medien (siehe https://digitalcourage.de/themen/facebook/).

 

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Baumfeldwirtschaft in Zeitschrift „OYA“

In der 51. Ausgabe („Garten Erde“) der Zeitschrift OYA erschien kürzlich mein Artikel über die Geschichte der Baumfeldwirtschaft und ihr Potential für die Zukunft unter dem Titel „In einer Waldlandschaft…“.

Kürzlich erschien in der Zeitschrift OYA mein Artikel über die Geschichte der Baumfeldwirtschaft und ihre Bedeutung für die Zukunft. Er kann unter dem von der Redaktion gewählten Titel „In einer Waldlandschaft…“ auch online gelesen werden. Ich empfehle, vorher den brillianten Artikel „Am Anfang war die Esskastanie“ meines Kollegen Florian Hurtig zu lesen, da ich vieles zur Frühgeschichte und zum Hintergrund der Idee der Baumfeldwirtschaft aus meinem Text herausgekürzt habe, weil ich wusste, dass Florians Artikel in dieser Ausgabe erscheinen würde. Insgesamt ist die neue Ausgabe (Nr. 51) der OYA eine sehr empfehlenswerte Zusammenstellung für einen Einblick in die Idee der regenerativen, hölzernen Landwirtschaft.

Artikel „In einer Waldlandschaft…“ von Philipp Gerhardt: https://oya-online.de/article/read/3065-in_einer_waldlandschaft.html

Artikel „Am Anfang war die Esskastanie“ von Florian Hurtig: https://oya-online.de/article/read/3067-am_anfang_war_die_esskastanie.html

Zeitschrift „OYA“ abonnieren: https://oya-online.de/order/abo.html
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Auf die Sorte kommt es an!

Auf die Sorte kommt es an! Eine veredelte Ertragssorte (Castanea crenata x sativa Bouche de Bétizac, links) und eine wilde Edelkastanie (Castanea sativa, rechts).

Pflanzt man Ertragssorten, so kann man z.B. bei Edelkastanien ab dem 2. oder 3. Standjahr mit jährlichen Erträgen rechnen. Bei einer Pflanze, die aus dem Samen gezogen wurde, setzt der Ertrag oft erst nach 10 oder mehr Jahren ein, Qualität, Größe und Regelmäßigkeit sind fraglich. Einen Ausweg bieten Populationszüchtungen, die vorerst aber in Europa noch nicht zu bekommen sind. Deshalb plane ich meine Anlagen immer mit erprobten Ertragssorten, was ich an dieser Stelle dringend empfehlen möchte. Besonders bei der Kastanie kommt hinzu, dass sie auf gewisse Krankheiten anfällig sein kann. Dann ist es wichtig, Baumschulware auszuwählen, bei der sowohl der Edelreis, als auch die Unterlage (!) die gewünschten Resistenzen aufweist.

gerade in Zeiten des Klimawandels darf man nicht mehr „irgendwas“ pflanzen. Es ist wichtig, sich damit auszukennen, welche Standortansprüche die Pflanzen haben und so zu planen, dass eine Anlage jetzt, aber auch mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Zukunft Früchte produziert und an ihrem Standort stabil bleibt.

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Keyline Design für SoLaWi umgesetzt

Durch Schlüssellinienkultur (Keyline Design) kann Wasser geleitet und gespeichert werden. Anbausysteme nach diesem Prinzip beugen nicht nur Erosion und Hochwässern nach Extremniederschlägen vor, sie machen Wasser auch in Dürreperioden länger verfügbar.

Für eine Solidarische Landwirtschaft in der Schweiz habe ich kürzlich eine Schlüssellinienkultur (Keyline Design) eingerichtet, die derzeit mit Gehölzkulturen bepflanzt wird. Durch die Anlage der Kulturen und eine zukünftige Bearbeitung mit einem Tiefenmeißel werden das im Boden ziehende Wasser und eventuelle Oberflächenabflüsse gezielt zu den trockeneren Teilen des Geländes geleitet und dort versickert. Die Gehölzkulturen mit ihren tiefgehenden Wurzeln sorgen für eine verstärkte Tiefensickerung und können auch in Trockenperioden das im Boden gespeicherte Wasser erreichen. Die Bemühungen der Bewirtschafter um Bodenbedeckung und Humusaufbau werden die Wasserhaltefähigkeit weiter begünstigen, so dass hier eine nachhaltige Versorgung auch unter den im Klimawandel zunehmenden Dürren gewährleistet werden kann.

Werden solche Systeme in weiten Teilen einer Landschaft eingesetzt und ersetzen z.B. Ackerbau, so ist außerdem mit einer Abkühlung der Landschaft, einer erhöhten Regenwahrscheinlichkeit und einer besseren Grundwasserneubildung zu rechnen.

Mehr Hintergrundinformationen zur Schlüssellinienkultur (Keyline Design) finden sich in folgenden Publikationen:

Ryan, Justin A., et al. 2015. Modelling the Potential of Integrated Vegetation Bands (IVB) to Retain Stormwater Runoff on Steep Hillslopes of Southeast Queensland, Australia. Land. 4, 2015, S. 711-736.
Ryan, Justin G., McAlpine, Clive A. und Ludwig, John A. 2010. Integrated vegetation designs for enhancing water retention and recycling in agroecosystems. Landscape Ecology. 25, 2010, S. 1277–1288.

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Kurs: Kreisläufe schließen – Terra Preta, Komposttoiletten und Pflanzenkohle herstellen

Vom 31.August bis 2. September wird es im Zukunftszentrum Nieklitz einen Praxiskurs mit mir geben. Inhalt wird sein:

  • Terra Preta verstehen und standortgerecht anwenden
  • Bau mehrerer Kompost-Trenntoiletten – erprobtes und gut funktionierendes Design, leicht nachzubauen und in eigenen Projekten integrierbar
  • Pflanzenkohle-Herstellung im offenen Verfahren („Kon-Tiki“-Methode) mit Gerät und ohne Hilfsmittel für jeden Standort
  • Wurmkompost und Heißkompost sowie Kompost-Tee herstellen
  • Fermentation mit Mikroorganismen
  • Planung und Optimierung von Stoffkreisläufen in Waldgarten, Selbstversorgung und Regenerativer Landwirtschaft
  • Hintergründe, Geschichte und Ökologie
  • Eigene Projekte planen und optimieren

Der Kurs kostet inklusive Bio-Vollverpflegung nur 230€ bei Übernachtung im Bett, 200€ bei Übernachtung im eigenen Zelt oder Auto.

Natürlich soll das kein Allerwelts-Kurs werden. Ich werde Terra Preta, Komposttoiletten, verschiedene Kompostierverfahren, den Mikroorganismen-Hype usw. natürlich wieder von der ökologischen Seite her beleuchten und mit einigen Daten unterfüttern. Dazu kommt meine übliche Portion Geschichte und Politik, sicher auch einiges an Musik und Tanz 🙂 Vor allem werden wir an dem Wochenende aber die Werkstatt des Zukunftszentrums, den neu angelegten Waldgarten und den Rest des Geländes zur Verfügung haben, um ein wunderbar einfaches aber effektives Kompost-Trenntoiletten-Design in mehrfacher Ausführung zu bauen, so dass es jede(r) zuhause nachbauen kann. Wir werden auf die Suche nach Mikroorganismen gehen und uns ganz praktisch mit Fermentation und Kompostierung befassen. Wenn ihr Interesse daran habt, an eurem Ort geschlossene Nährstoffkreisläufe zu schaffen, dann ist dieser Kurs sicher das Richtige für euch.

Eine genauere Beschreibung des Kurses gibt es auf der Kurs-Seite, Anmeldung und Kontakt zum Organisationsteam findet ihr auf wirbauenzukunft.de. Direkt zur Anmeldung geht es hier.

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Sommerloch für die Bienen?

In traditionellen Bauerngärten (hier: Im Waldviertel, Österreich) gibt es oft über lange Zeit viel Pollen und Nektar für Bienen und andere Insekten. Hier summt und brummt es z.B. bis in den Juni hinein im Senf. Auch die regenerativen Materialien dienen früher oder später als Lebensraum für Insekten, z.B. Schlupfwespen und Wildbienen.

Imker klagen häufig darüber, dass bei den Feldfrüchten für Bienen ab Mitte/Ende Mai nicht mehr viel Pollen und Nektar abfällt und die Völker im Sommer oft regelrecht hungern. Doch muss das so sein? Was ist die Ursache für dieses „Sommerloch“?
Schaut man sich Landnutzungsregime früherer Zeiten an, fällt auf, dass es dort eine Vielzahl sowohl an einjährien Pflanzen, als auch an Gehölzen gab, die weit ins Jahr hinein Brühten und dementsprechend als Lebensgrundlage für Bienen und andere Insekten dienen konnten. In Den Bauerngärten blühten neben für die Nahrungsversorgung angebauten Pflanzen wie z.B. dem Senf zahlreiche Medizinpflanzen oder auch solche, die zur Zierde oder aus altem Brauch rund ums Haus wuchsen. Akelei, Fingerhut und Stockrosen sind z.B. dabei, aber auch Gehölze wie der Hartriegel, die Mispel oder die Quitte blühen spät, mitunter in den Juni hinein. Besonders wichtig sind aber die Linden, die im Frühsommer meist jedes Jahr reichhaltig blühen.
Früher wusste man um den Wert dieser herrlichen Bäume und dieses Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Heute verschwinden sie leider zusehends, „weil sie so viel Dreck machen“, wie man oft sagt. Oder sie werden gekappt, zurechgestutzt oder überhaupt nur als Buschbaum gehalten. Welche Pracht waren dagegen die mächtigen Dorflinden von einst? Man nutzte sie als Gerichtslinden, als kühlen Platz für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten im Sommer, für gemeinsame Entscheidungen oder auch als Orte für Tanz und Musik. Sie wurden als Alleebäume gepflanzt, die die Wege der Menschen behüteten, den Staub fingen und ihren kühlen Schatten auf die Reisenden warfen. In einem Land, das voll war mit solch nützlichen Bäumen, hatten natürlich auch die Bienen ihren Anteil und bekamen dadurch viel Nektar und Pollen.
Es ist also nicht nur die

Leider fehlen in der industriellen Land(wirt)schaft (hier: Niedersachsen, Deutschland) nicht nur solche mit bedacht angelegten Gärten, sondern auch viele andere Elemente, die die Menschen früher schon als wertvoll erkannt haben, wie z.B. Feldraine, Knicks, Alleen, Hausbäume, Dorflinden usw.

stumpfe Eintönigkeit Mitteleuropäischer Felder, die aufgrund globalisierter Arbeitsteilung nur noch das produzieren, was billiger zu machen ist als anderswo und von der Konsummaschinerie deshalb noch von hier verlangt wird, sondern vor allem der Mangel an Landschaftselementen, die in früheren Zeiten den Lebensraum für Bienen und andere Insekten bereitgestellt haben.
Was können wir davon lernen? Es ist neben der tatsächlich nachhaltigen Nutzung des Bodens durch regenerative Praktiken auch eine dringende Aufgabe, die Produktionssysteme ein Stück weit zurückzunehmen und wieder Raum zu lassen für die Elemente, die wir vergessen haben, die aber unbedingt notwendig sind, um die Stabilität und Produktivität unseres Lebensraumes als ganzes zu erhalten. Wir brauchen die Alleen, die Dorflinden, die Hausbäume, die Hecken und Knicks, die Feldraine und Sölle! Sie sind ein wesentlicher Bestandteil regenerativer Landwirtschaft. So wie bei einem Wagen, der einen Antrieb braucht, aber nicht ohne Räder auskommt, dürfen wir nicht vergessen, diese in gutem Zustand zu halten und regelmäßig zu pflegen und zu erneuern. In regenerativen Landnutzungssystemen müssen wir sie deshalb unbedingt mit einplanen und Ressourcen dafür mit einkalkulieren.

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Was ist eigentlich ein Waldgarten?

Im Waldgarten werden auf kleiner Fläche mit unterschiedlicher Gehölzüberschirmung Pflanzen, Pilze und Tiere genutzt, gepflegt und gestaltet, um für den Menschen wichtige Güter und Leistungen bereitzustellen. Das Modellökosystem dafür ist die teiloffene temperierte Baumlandschaft mit Einfluss von Großherbivoren.

Was ist eigentlich ein „Waldgarten“?
Diese Frage wird immer wieder gestellt und der Begriff wird oft in verschiedenen Kontexten unterschiedlich und sehr individuell verwendet. Hier möchte ich einmal darüber nachdenken, was für mich (im temperierten Klima) ein „Waldgarten“ ist:

Viel Verwirrung entsteht schon, da im englischen Sprachraum oft „forest gardening“ mit „Permakultur“ gleichbedeutend verwendet wird. Das ist dann durch Übersetzungen auch ins Deutsche übertragen worden, wobei es auch explizite Unterscheidungen gibt (z.B. Permakulturkurse, die einen gesonderten „Waldgarten“-Teil beinhalten). Da ich aber aus den Forstwissenschaften komme und aus ökologischen Grundüberlegungen und der Einbeziehung ihrer klassischen Disziplinen meine Gestaltungsansätze herleite, nähere ich mich dem Thema jedoch von einer anderen Seite:

Wenn ich mich einer Definition annähern würde, würde ich erstmal die Teile des Wortes betrachten: Wald und Garten.
Wald ist eine zu mindestens 10% von Gehölzen überschirmte Fläche von mindestens 0,5 Hektar, laut UN. Das ist bewusst so gewählt, um auch in ariden Gebieten Wälder zu finden und diese dementsprechend bewirtschaften undvor allem schützen zu können. Sicher ist auch ein wenig Greenwashing dabei, damit auch noch völlig übernutzte Gehölzbestände als Wald gelten. Das Bundeswaldgesetz hingegen meint, dass Wald einfach eine mit „Forstpflanzen“ bestockte Fläche ist, plus einige Bestimmungen, was eben kein Wald sei.
Das Problem bei der ganzen Geschichte ist, dass diese Definitionen alle auf der forstwirtschaftlichen Sichtweise Mitteleuropas beruhen, die über die unterschiedlichen Instanzen der EU und der UN auch in die global gültigen Definitionen Eingang gefunden hat. Es geht dabei eben immer um eine hauptsächliche Betrachtung der Gehölzkomponente; das innere Bild, das wir von Wäldern mit uns herumtragen, ist eines von hohen Bäumen und geschlossenem Kronendach. Herausgebildet hat sich dieses Verständnis von Wald aber hauptsächlich im 19. Jahrhundert. Dabei ist spannend, dass einer der Begründer der Forstwissenschaften in Deutschland (und überhaupt), Heinrich Cotta, in einem seiner späteren Werke eine völlig andere Sichtweise vertreten hat: In der ‚Baumfeldwirthschaft‘ schreibt er im Jahr 1819(!), dass wir in der Landschaft Systeme schaffen sollten, die Holzproduktion, Viehaltung und den Anbau von Feldfrüchten kombinieren. Dadurch würden sich die Fruchtbarkeit und die Stabilität maßgeblich erhöhen und die Menschen seien langfristig mit Nahrung und anderen wichtigen Produkten besser versorgt. Erstaunlich auch, dass dies für das temperierte Klima Mitteleuropas dem ökologischen Modell der teilweise offenen Baumlandschaften entspricht, das in der Großherbivorentheorie ab den 2000er Jahren von Vera und anderen Forschern skizziert wurde und seit dem Eingang in die Ökologie und andere Forschungsdisziplinen gefunden hat.
Damit könnten wir, so Cotta 1819, ‚das Paradies auf Erden‘ schaffen, nur täten wir das nicht, weil gesellschaftliche Eliten (Industrielle und Adlige) an der Trennung verdienten. Somit kam auch der schärfste Gegenwind von Seiten der (späteren) Anhänger der Bodenreinertragslehre, die Waldbau als Kapitalanlage propagierte und darauf drängte, nur solche Maßnahmen im wald durchzuführen, die mit einer Anlage am Kapitalmarkt konkurrenzfähig wären. Leider hat sich diese damals durchgesetzt und so für lange Zeit unsere Idee von Wald, unsere Landschaft und unsere Haltungen geprägt.
Sehr spannend sind da übrigens die vielen Briefwechsel und Artikel, in denen z.B. Cotta und Pfeil für eine Landnutzung als ‚Ersten Erhalt des Lebens‘ eintreten (Motto: Ein jeder Förster sollte sich was schämen, der nicht für die Abdeckung aller menschlichen Bedürfnisse pflanzt und säht und die Bevölkerung teilhaben lässt) und auf der anderen Seite Forstleute wie Hundeshagen oder Preßler, die für eine rein mathematisch-ökonomische Betrachtung von Wald eintraten.

Wir sehen also, dass Wald einerseits hauptsächlich als Gehölzsystem betrachtet wird, andererseits aber auch schon lange eine eher ökosystemare Sichtweise existiert, die Boden, Wasserhaushalt, Tiere, Pilze  und Pflanzen mit einbezieht und bei der auch der Einfluss des Menschen in Form von nutzungen und Gestaltung eine Rolle spielt, so dass der „Wald“ fließend in andere Landnutzungsformen und Ökosysteme übergeht.

Hierbei kommen wir schon dem zweiten Teil des Wortes „Waldgarten“ näher, nämlich dem Garten. Dieser meint eine abgegrenzte, intensiv genutzte und gestaltete Landfläche, die Menschen für die Produktion verschiedener Güter und Leistungen (z.B. auch ‚Erholung‘) gebrauchen. Folgt man der Sichtweise einiger Forstlicher Klassiker, so könnte man das schon fast auf den Wald anwenden, wenn hierfür Gehölze verwendet werden. So ist der Wald im Cotta’schen Sinne einfach eine intensiv gestaltete Landnutzung, die von der ‚Landwirtschaft‘ lediglich durch die Nutzung von Bäumen anstelle von einjährigen Pflanzen als hauptsächlichem Produktionsmittel zu unterscheiden ist, und die Übergänge können fließend sein. Nur die Abgrenzung durch mehr oder weniger bauliche Maßnahmen, die den Garten ausmacht, fehlt bei Land- und Waldwirtschaft und auch bei Agroforstsystemen, also den Cotta’schen Baumfeldwirtschaften. Daher ist die Kleinflächigkeit und Intensität der Nutzung und gestaltung ein wichtiges Merkmal des (Wald-)Gartens.

Wenn wir den Wald als Ökosystem betrachten, reicht es nicht aus, nur die Gehölzkomponente zu sehen. Zu seinem dauerhaften Bestehen braucht es auch andere Pflanzen, Pilze und Tiere, die viele wichtige Rollen erfüllen. Allein in natürlichen Ökosystemen führt der Einfluss von Tieren und anderen Störungen dazu,  dass die Übergänge zwischen Gehölzkomplexen und offeneren Landschaftsteilen fließend sind. Auch der Mensch kann in seiner Nutzung und Gestaltung ganz andere Strukturen schaffen, als es unser inneres Bild von „Wald“ oft vorgibt.
Dies alles zusammen genommen,  ist der Waldgarten eine abgegrenzte, umfriedete Fläche, auf der Tiere, Pilze und Pflanzen mit einer merklichen Überschirmung durch Gehölze intensiv gepflegt, genutzt und gestaltet werden, um für den Menschen wichtige Güter und Leistungen, z.B. Nahrung, Witterungsschutz, Holz, Erholung etc., zu erbringen.
Vielleicht ist aber tatsächlich der Begriff „Waldgarten“ irreführend, da er auf unseren Denkrahmen vom geschlossenen Wald, also dem forstlichen ‚Hochwald‘, zurückgreift. Treffender wäre wohl etwas, das die vielen wichtigen Aspekte solcher Systeme kurz und bündig zusammenfasst. Dafür ein Wort zu finden, ist mir jedoch bisher nicht gelungen. „Langfristig stabile, temperierte Baumlandschaft mit geschlossenen Stoffkreisläufen und Potentialaufbau zur Bereitstellung wichtiger Güter und Leistungen für den Menschen unter Nutzung und Gestaltung diverser Ökosystemkomponenten im Gartenmaßstab“ ist es jedenfalls nicht 🙂
Kastanien-Felsenbirnen-Kuchen

15.-17. Juni: Kurs „Waldgartenplanung auf ökologischer Grundlage“ bei Berlin

15.-17. Juni 2018

in Brück (Mark), 33 min. südlich von Berlin (RE7)

Wochenendkurs mit Dipl.-Forstwirt Philipp Gerhardt

Anmeldung und mehr auf www.bildungs-bande.de

In diesem Kurs werde ich die Grundlagen vermitteln, um einen Waldgarten zielorientiert und effizient anzulegen. Oft wird mit Waldgärten eine gewisse Unordnung und ein Bild von hohen Bäumen und viel Schatten assoziiert. Wir werden sehen, dass das überhaupt nicht so sein muss! In der mitteleuropäischen Tradition gibt es eine Reihe von Beispielen, die aufzeigen, wie Baum- und Strauchkulturen sinnvoll neben- und übereinander genutzt, sowie mit Tierhaltung und der Nutzung von nicht verholzenden Pflanzen kombiniert werden können. Als ökologisches Modell steht hier – wie auch bei temperierten Agroforstsystemen im größeren Maßstab – die halboffene Weidelandschaft in erster Reihe. Weitere Orientierung bieten Hute- und Niederwälder.
Auf dieser Grundlage nutze ich erprobte, effiziente und günstige Baum- und Strauchkulturen, die eine gesunde Grundversorgung sicherstellen. Im Gegensatz zu einer in der Praxis weit verbreiteten Verspieltheit, steht bei mir ganz klar das Ziel, robuste und einfache Systeme zu schaffen, die leicht zu erhalten sind. Natürlich kann und sollte man auch immer etwas experimentieren, aber viel wichtiger ist, dass uns ein Garten ernährt und er auch bearbeit- und verstehbar bleibt.
Daher vermittle ich in diesem Kurs vor allem die ökologischen Grundlagen, die jede(r) dann im Selbststudium vertiefen sollte. Daneben lasse ich meine Erfahrung aus der eigenen Selbstversorgung und aus von mir geplanten oder besichtigten (funktionierenden und auch nicht funktionierenden) Systemen einfließen. Gemeinsam erarbeiten wir vor Ort Beispielplanungen und diskutieren die vielen Fallstricke, die es zu umgehen gilt. Wir suchen gemeinsam Gehölze und andere mehr- und einjährige Pflanzen aus, mit denen die gewünschten Produkte und Leistungen nachhaltig im Garten erzeugt werden können. Wir werden sehen, dass nicht alles „im Kielwasser“ eines „naturnahen Waldgarten“-Dogmas zu erreichen ist, sondern bestimmte Dinge gezielt angesteuert werden müssen. Dennoch ist es möglich, den Energieeinsatz zu minimieren, indem man mit der natürlichen Sukzession arbeitet – und nur dort gegen sie, wo es notwendig ist.

Einige Themen, um die es gehen wird:

  • Wasserhaushalt
  • Boden
  • Konkurrenz
  • Pflanzencharakteristika
  • Licht und Schatten
  • Sukzession
  • Räumliche Ordnung und Erschließung
  • Arbeitszeit und Pflegeintensität
  • Maschinen und Werkzeuge
  • Verarbeitung und Konservierung
  • Pflanzenkohle und Bodenverbesserung
  • Nährstoffkreisläufe
  • Zeitliche Eintaktung von Ertragskomponenten
  • Ökosystemleistungen
  • Soziale Aspekte
  • Koppelproduktion
  • Multifunktionalität und Nachhaltigkeit