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„Permakultur“ und das richtige Beobachten

Heinrich Cotta 1843. Inspiration für „Permakultur-Designer“?

Immer wieder höre ich von Leuten aus dem Dunstkreis der Permakultur, dass man lokal sinnvolle Landnutzungssysteme durch eine ständige und verständige Beobachtung gestalten kann. Doch oftmals sehe ich in diesem Feld Landnutzungssysteme, die weit weg von der Erfüllung der von ihnen gewünschten Funktionen sind, geschweige denn wirklich nachhaltig betrieben werden. Es ist in der Praxis dieses Planungsansatzes, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, leider oft so, dass das Beobachten durch Quereinsteiger und Laien nicht zum gewünschten Erfolg führt. Woran hakt es da? Ich finde, eine wunderbare Beschreibung des Problems liefert Heinricht Cotta, der schon 1811 über die Gestaltung von Waldökosystemen und die dazu notwendigen Fähigkeiten sagte:

Bloße Erfahrungen sind hier unzureichend; teils können sie nie vollständig genug im Umkreise eines Lernenden gefunden werden, teils setzen sie eine viel zu lange Reihe von Jahren voraus, als daß sie von einem einzigen Manne in unserem kurzen Erdenleben – viel weniger von einem Lernenden in seiner Lehrzeit – gemacht und geprüft werden könnten. Wir müssen also die Erfahrungen vieler, von vielen Jahren, aus vielen Gegenden, unter mannigfaltigen Umständen gesammelt, zusammenstellen; aus ihnen Hauptregeln ableiten, Grundsätze aufstellen und diese modifizieren lernen. – Dies sei die einzig geltende Theorie für uns, nicht aber spitzfindige, am Schreibtisch ausgeheckte Hirngespinste, leere Bücherweisheit und gelehrte Wortkrämerei… Der Beruf des Forstmannes ist halb Wissenschaft, halb Kunst, und nur die Ausführung macht hierbei den Meister.

Gerade in Zeiten des Klimawandels, aufgrund dessen wir rasch und effektiv handeln müssen, können wir uns kein langes und dann auch noch fehlgeleitetes Beobachten leisten. Ich möchte daher allen „Permakultur“-Begeisterten empfehlen, für sich zu prüfen, wie sie denn beobachten und wie sie ihre Schlüsse daraus ziehen. Schaue ich nur den Boden an, oder habe ich im Hintergrund ein paar Semester Bodenkunde, wodurch mir die Beobachtung viel mehr verrät? Beobachte ich ein einen Mißstand im Wasserhaushalt und erdenke mir ohne die „Erfahrungen vieler, von vielen Jahren, aus vielen Gegenden, unter mannigfaltigen Umständen gesammelt“ eine Lösung, oder habe ich vielleicht viele mögliche Systeme selbst gesehen und studiert (nicht unbedingt an einer Uni o.Ä.), mir also Keyline Designs angesehen, die Konstruktion von Reservoiren und Gräben etc. über mehrere Jahre gelernt?

Es geht darum, im Zeitalter des Internets endlich wieder aufzuhören, ständig nur die gleichen oberflächlichen Informationen zu wiederholen. Landnutzung ist ein derartiger Schlüsselfaktor im Kampf um ein Klima, in dem wir Menschen leben können, dass es wirklich ein Frevel ist, immer nur in Foren, Facebookgruppen und auf Youtube zu stöbern. Halbwissen hat die Angewohnheit, immer noch weniger zu werden: 0,5*0,5=0,25. Damit sollten wir nicht hinausgehen und Landnutzungen gestalten. Besser wäre es, sich mit erfahrenen Leuten zusammen zu tun oder sich zumindest gegenseitig immer wieder zu überprüfen und durch die Ausführung zum Meister zu werden. Dazu möchte ich ermutigen!

Auch nach über 200 Jahren behalten daher für „Permakultur-Designer“, Land- und Forstleute die Worte Gültigkeit:

Bedenken Sie, daß in unserem alles umwälzenden Zeitalter kein äußeres Glücksgut gesichert, kein jetziges Verhältnis für die Zukunft bürgt. Tausende besitzen heute nicht mehr, was sie vor wenig Jahren nie zu verlieren glaubten, und wer will die Schicksale ermessen, die unser noch in dem Hintergrunde der Zeiten warten können! – Nichts vermögen wir mit Gewißheit unser zu nennen, als was wir in uns selbst tragen. Fassen wir daher den unerschütterlich festen Vorsatz, Schätze in uns selbst zu sammeln, die Ihnen kein äußeres Verhältnis rauben kann. Suchen Sie Ihre Kenntnisse möglichst zu erweitern. Bilden sie sich vor allem zu braven rechtschaffenen Menschen, lernen Sie dabei entbehren und Anstrengungen ertragen, dann können Sie allen Stürmen der Zeit trotzen!

Zitate aus COTTA, Heinrich: Rede, gehalten bei Eröffnung der Forstlehranstalt zu Tharandt am 24. Mai 1811. Tharandt, 1811.

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Die dünne Haut der Erde

In der derzeitigen Landwirtschaft wird der Boden immer wieder gestört, was zu massiven Verlusten an Biomasse im Boden, besonders an Humus führt. Dadurch schwindet die Fähigkeit der Böden, Nährstoffe und Wasser zu halten und bereitzustellen. Die Folge ist die Auswaschung von Nährstoffen, sinkende Erträge und die Emission großer Mengen von CO2 in die Atmosphäre.

Zu dieser Thematik gibt es jetzt eine Reportage des Deutschlandfunks mit dem Titel „Die dünne Haut der Erde“. In dieser kommt auch der engagierte Bauer Mark Dümichen zu Wort, mit dem ich zusammenarbeite. Er betreibt seit Jahren eine pflegliche Bodenbearbeitung mit minimalen Eingriffen, permanenter Begrünung und dem Einsatz von eigens hergestellten Bodendüngern („Kompost“). Er hat das Dürrejahr 2018 weit besser überstanden als so manch andere Bauern in Brandenburg und arbeitet schon an den nächsten Schritten in Richtung einer regenerativen Landwirtschaft. Derzeit erarbeite ich weitere Klimawandelanpassungsmaßnahmen für seinen Hof.

Die Reportage findet sich unter:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/landwirtschaft-die-duenne-haut-der-erde

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Dürre, Hagel, Stürme – wer zeigt Lösungen auf?

Die Probleme werden offensichtlich – aber wer schreibt über Lösungen? Es wäre doch so einfach!

Das Jahr 2018 brachte eine extreme Dürre mit sich, die in der Landwirtschaft schwere Schäden verursacht hat. Auch auf Landschaftsebene gibt es gewaltige Probleme, wie das massive Absterben von Waldbäumen, ein Absinken des Grundwasserspiegels und damit verbunden eine große Unsicherheit in der Trinkwasserversorgung.

Noch können solche Extremwetterlagen teilweise ausgeglichen werden, indem in der Landwirtschaft bewässert wird und indem Trinkwasser aus anderen Regionen zugeführt wird. Doch durch diese Maßnahmen verschärft sich die Problematik, da der Grundwasserspiegel weiter absinkt und somit ein Speicher angezapft wird, der sich so schnell nicht erholen kann. Denn, wie der IPCC in seinem Sonderbericht vom September 2018 darstellt, werden Dürrejahre wie 2018 in Zukunft immer häufiger auftreten oder sogar die Regel sein, wenn sich das Klima weiter so entwickelt wie bisher. Gleichzeitig kommen Starkniederschläge, Hochwässer, Schlammlawinen, Erosion, Ernteausfälle etc.

Doch das alles muss ja nicht sein: Eine der einfache und billige Lösung ist eine Umstellung unserer Landnutzung, wie sie z.B. auf http://baumfeldwirtschaft.de angeboten wird. Durch die Anlage von gehölzbasierten Produktionssystemen schaffen wir klimawandelsichere Landwirtschaftsbetriebe, stabile Gärten und Siedlungsstrukturen, die auch in Zukunft nicht überhitzen. Doch wer berichtet über diese Lösungsmöglichkeiten?

Bisher gibt es dazu leider kaum Berichterstattung. Diese wird aber dringend gebraucht, damit die Leute, die Land nutzen, also vor allem Bauern und Bäuerinnen, an die notwendigen Informationen kommen. Denn dass es Probleme gibt, merken diese schon lange und suchen nach Lösungen. Was es braucht ist also der Brückenschlag zwischen Leuten, die Lösungen anbieten und denen, die sie brauchen. Deshalb rufe ich dazu auf, so vielen Menschen wie möglich davon zu berichten, wie einfach es sein kann, das eigene Land oder die gemeinde, ind er man lebt, umzugestalten, so dass diese Orte auch in Zukunft eine stabile Basis für ein Einkommen und ein gutes Leben bieten.

Ich wünsche mir Schlagzeilen wie:

„Bauer freut sich über stabile Erträge – dank Investition in Agroforst-Planung“

„Acker weicht Baumkulturen – keine Probleme mehr mit Klimawandel“

„Forstwirt sagt der Dürre den Kampf an“

„Trotz Dürre: Nussbaum-Ertragsanlagen in Brandenburg mit Rekordernte“

„Bauer steigt auf Agroforst um – kein Wassermangel mehr“

„Klimawandel umkehrbar – mit Bäumen runter vom Holzweg“

„Vom Hochwasserentstehungsgebiet zum Wasserspeicher – mit Humusaufbau und Bäumen wachsen reichhaltige Produktionslandschaften“

„Dorf bleibt im Sommer kühl – Bürger*innen danken Agroforst-Pionier“

„Essbare Stadt krisensicher, Einwohner*innen zufriedener“

„Naturschutz und Jagd zufrieden – Agroforstsysteme steigern Struktur- und Artenvielfalt“

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Baumfeldwirtschaft in Zeitschrift „OYA“

In der 51. Ausgabe („Garten Erde“) der Zeitschrift OYA erschien kürzlich mein Artikel über die Geschichte der Baumfeldwirtschaft und ihr Potential für die Zukunft unter dem Titel „In einer Waldlandschaft…“.

Kürzlich erschien in der Zeitschrift OYA mein Artikel über die Geschichte der Baumfeldwirtschaft und ihre Bedeutung für die Zukunft. Er kann unter dem von der Redaktion gewählten Titel „In einer Waldlandschaft…“ auch online gelesen werden. Ich empfehle, vorher den brillianten Artikel „Am Anfang war die Esskastanie“ meines Kollegen Florian Hurtig zu lesen, da ich vieles zur Frühgeschichte und zum Hintergrund der Idee der Baumfeldwirtschaft aus meinem Text herausgekürzt habe, weil ich wusste, dass Florians Artikel in dieser Ausgabe erscheinen würde. Insgesamt ist die neue Ausgabe (Nr. 51) der OYA eine sehr empfehlenswerte Zusammenstellung für einen Einblick in die Idee der regenerativen, hölzernen Landwirtschaft.

Artikel „In einer Waldlandschaft…“ von Philipp Gerhardt: https://oya-online.de/article/read/3065-in_einer_waldlandschaft.html

Artikel „Am Anfang war die Esskastanie“ von Florian Hurtig: https://oya-online.de/article/read/3067-am_anfang_war_die_esskastanie.html

Zeitschrift „OYA“ abonnieren: https://oya-online.de/order/abo.html
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Zukunftsweisendes aus der Vergangenheit

„Es liegt außer allem Zweifel und wird bei unbefangenen Beobachtungen sich gewiß noch bestätigen, daß sich bei der Baumfelderwirthschaft die Bodenkraft und Frische, sohin die Fruchtbarkeit länger und besser erhält, als auf kahlen Fluren, wo man selbst mit allen möglichen künstlichen Düngungsmitteln die Fruchtbarkeit immer mehr abnehmen sieht. Die Nothwendigkeit und der wohlthätige Einfluß der schützenden Bekleidung des Bodens durch größere Vegetabilien (Bäume) tritt bei unbefangener Anschauung der Natur überall unverkennbar hervor.“

So schreibt ein anonym gebliebener Autor in einem von Eugen Neureuther illustrierten Buch im Jahre 1856, „Die Holzzucht außerhalb des Waldes“ (s.u.). Diese und weitere spannende Erkenntnisse aus einer Vergangenheit, in der wie heute einige Denker und Denkerinnen ihrer Zeit weit voraus waren, kann man mittlerweile auch online im Original lesen. Mehr dazu bei der Bayrischen Staatsbibliothek München: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10386002_00104.html

Baumfelder. Aus: Die Holzzucht außerhalb des Waldes, zum Vortheile der ländlichen Oekonomien und zur landschaftlichen Verschönerung Bayerns: für Grundbesitzer, Land- und Forstwirthe, Stadt- und Landgemeinden. Neureuther, Eugen Napoleon (Hrsg.) ; 1856. Palmer-Verlag, München.
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„Ein Paradies gedeiht nur durch Liebe und Freude!“

Im Jahr 1819 erschien Cottas ‚Baumfeldwirthschaft‘.  Hier ein kleiner Auzug, den ich aus dem Original abgeschrieben habe:

„Welch ein Anblick bei uns, auf vielen meilenweiten Strecken Felder, Wege, Raine, Teiche und Bach-Ufer ohne Baum zu finden! Dann noch die düstern Brachfelder! Aber selbst auch die wallenden Saatfelder, was sind sie ohne Laubgewölbe? Wie ermüden sie – wie stimmen sie das Gemüth zur Monotonie, wenn nichts den flachen Anblick bricht, das Auge auf keinem fesselnden Punkte ruhen und sich auch des schönen freuen kann?

Dagegen ein wahrer Oekonomie-Garten wie Hoschitz – so nützlich und doch so schön! Oder meilenweite liebliche Fluren, wie das reizende Kuhländchen in Mähren!

Wie aber die todte, gelbe oder braune Steppe in eine lebendige, durch frisches Grün erst gehobene Landschaft umwandeln?

Man höre, überlege, führe aus:
1) Jeder Gutsherr, jeder Landmann bepflanze Straßen, Raine und Grenzen mit Bäumen.
2) Jeder Gutsbesitzer, jede Gemeinde lege die nöthigen Baumschulen an. Diese bestimme dazu einen Gemeindeplatz, bepflanze ihn unter Leitung und Hülfe des Schullehrers und der Jugend. Der Pfarrherr und der herrschaftliche Gärtner führen die Aufsicht.
3) Schneller ins Paradies zu kommen, werden gleich junge Obstbäume angekauft, und wenigstens damit die Grenzen abgetheilt.
4) Der Nutzen bleibe den Pflanzern.
5) Die Raine besetze man in gehöriger Entfernung mit Obstbäumen. Die Landstraßen, Feldwege, Ufer der Bäche und Teiche mit den schatten- und zuckerreichen Ahornen.
6) Zur Oberaufsicht, Pflege und Beförderung des Ganzen ernenne die Regierung für jeden Kreis einen Plantagen-Commissair, der bei gründlicher Kenntniß das Aufmuntern besser als das Befehligen verstehe.
7) Jeder größere Güterbesitzer stelle einen eigenen Plantagen-Director an, und sehe bei der Wahl vorzüglich auf einen Mann, den nicht das Amt zur Pflicht, sondern Lust und Freude zum Amte rufe. Ein gemeiner Lohn-Oekonom taugt hierzu nicht. Ein Paradies gedeiht nur durch Liebe und Freude! Es giebt Menschen mit freier Muße, voll Enthusiasmus für einen Wirkungskreis dieser Art. Solche wähle man!

Welche eine Idee, welch ein Anblick, wenn so in wenigen Jahren die ganze Monarchie in ein irdisches Paradies umgeschaffen wäre! Ueberall Genuß und Nutzen! Ueberall Schatten, Obdach und Erndte! Holz gegen Frost, Obst zur Sättigung und Erquickung, Zucker für den Gaumen, Weingeist zur Stärkung – alle Reisen in den milderen Jahreszeiten nur Lustwandlungen durch einen unermesslichen Garten!“

Aus „Die Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau oder die Baumfeldwirthschaft“, von Heinrich Cotta, Dresden 1819, Arnoldische Buchhandlung.

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Traum

von Hermann Hesse

Es ist immer derselbe Traum:
Ein rot blühender Kastanienbaum,
Ein Garten, voll von Sommerflor,
Einsam ein altes Haus davor.

Dort, wo der stille Garten liegt,
Hat meine Mutter mich gewiegt;
Vielleicht – es ist so lange her –
Steht Garten, Haus und Baum nicht mehr.

Vielleicht geht jetzt ein Wiesenweg
Und Pflug und Egge drüber weg,
Von Heimat , Garten, Haus und Baum
Ist nichts geblieben als mein Traum.

Von welchen Landschaften träumen wir? Und wie sieht es um uns herum aus? Warum?