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Esst mehr Bäume! – ein ackerbaufreies Rezept

Die Ernährung von Getreide und den meisten anderen Ackerbauprodukten ist nicht unbedingt sehr gesund, viele Menschen leiden bereits unter Allergien. Darüber hinaus schafft eine Ackerbaulandschaft riesige Probleme: Im großen Maßstab wird Humus zerstört, so dass Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt und den Klimawandel verstärkt. Die Böden verlieren ihre Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe zu speichern und so haben Dürren und Starkniederschläge immer katastrophalere Folgen. Die Landwirtschaft pfeift derzeit auf dem letzten Loch.

Im krassen Gegensatz dazu steht eine Ernährung, die auf einer „hölzernen Landwirtschaft“ aufbaut. Wenn wir Anbausysteme schaffen, die den Boden ungestört lassen, Humusaufbau, Feuchtigkeit, Erosionsschutz und eine Kühlung der Landschaft gewährleisten, können wir auch eine dauerhafte Nahrungsmittelversorung und ein stabiles Klima erhalten. Die Ernährung, die dabei herauskommt, besteht aus vielen Nüssen und anderen Baumfrüchten. Fleisch von Tieren, die in Agroforstsystemen wesensgerecht weiden, hat eine positive Klimabilanz, da der Humusaufbau die im Vergleich zu Stallhaltung geringeren Methanemissionen überkompensiert (Schwarzer 2019, Teague 2017). Wenn wir eine solche gesunde „Jägerinnen und Sammler“-Ernährung forcieren und entsprechende Produkte von der Landwirtschaft einfordern, können wir die Landschaft umbauen, so dass sie den Problemen unserer Zeit begegnen kann. Dieser Wandel beginnt in den Köpfen und dann in den Küchen!

Ein Wald, der vor 200 Jahren als Esskastanien-Plantage angelegt wurde. Kein anderes Landwirtschaftssystem ist so lange produktiv!

Deshalb hier wieder eine Möglichkeit, nur mit Produkten eine schmackhafte Speise herzustellen, die den Boden ungestört lassen und mehr Bäume und Sträucher in die Landschaft bringen:

Man nehme:

  • 400 g Esskastanienmehl
  • 4 Teelöffel Weinstein-Backpulver
  • 2 Eier aus Hühnerhaltung unter Bäumen
  • 200 g Felsenbirnen (Amelanchier spec., auch engl. „Saskatoon Berries“)
  • eine Prise Salz
  • 150 g Birkenzucker
  • 150 ml Milch aus reiner Weidehaltung, am besten unter Bäumen
  • ein Teelöffel Öl (z.B. Hasel- oder Walnussöl)

Natürlich kann man Eier und Milch auch durch vegane Alternativen ersetzen. Ich verwende aber bewusst die tierischen Produkte um dem Fakt Rechnung zu tragen, dass wir die Leistung der Tiere im Ökosystem brauchen, um die Umsetzungsprozesse so zu gestalten, dass ein massiver Humusaufbau gewährleistet werden kann.

  • Man verrühre mit einem Schneebesen Mehl, Backpulver, Eier, Salz, Birkenzucker und die Milch zu einem lockeren, zähflüssigen Teig.
  • Einen Esslöffel Mehl übrig lassen.
  • Dann hebe man die Felsenbirnen unter.
  • Eine Kuchenform mit dem Öl ausstreichen, dann den Esslöffel Mehl in die Form geben und sie gut auskleiden, um das Ankleben des Teigs zu vermeiden.
  • Dann den Teig in die Form füllen und bei ca. 175°C etwa 50 Minuten im Ofen backen.
  • Fertig.
Zutaten aus der Wald-Garten-Landschaft: Kuchen aus Felsenbirnen und Esskastanien.

 

Die Zutaten zu diesem Rezept haben ein großes Potential, um zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung und zu einem stabilen Klima beizutragen. Sowohl die Esskastanie (Castanea sativa, Castanea crenata und deren Hybriden) als auch die Felsenbirne (Amelanchier alnifolia, A. ovalis) sind sehr klimaplastisch, d.h. sie wachsen bereits gut in unserem Klima, sind aber auch noch sehr anpassungsfähig, wenn es wärmer und trockener wird. Beide Arten sind auch gut frosthart, so dass wir sie schon jetzt fast in ganz Mitteleuropa anbauen können. Sie wurzeln tief und produzieren ein gut zersetzliches Laub, das den Boden schützt und nährt. Sie lassen sich hervorragend mit Tierhaltung kombinieren und liefern als weiteres Produkt auch noch Holz. Die Ernte kann im großen Stil maschinell geschehen, ist aber immer auch ohne weiteres von Hand machbar (z.B., wenn fossile Rohstoffe knapp werden oder es wie jetzt klar ist, dass man diese lieber in der Erde lassen sollte). Eine „hölzerne Landwirtschaft“ – und es gibt noch viel mehr tolle Nährgehölze – ist im Gegensatz zum Ackerbau also auch klimaplastisch und viel besser an eine andere Ökonomie anpassbar.

Quellen:

Schwarzer, S.; 2019: The potental of carbon sequestraton in the soil. UN Environment Foresight Brief – Early Warning, Emerging Issues and Futures 13.

Tegaue, R.; 2017: Grazing management that regenerates ecosystem function and grazingland livelihoods. African Journal of Range & Forage Science 34.

 

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Blütenvielfalt statt Monokultur

Blühende Vielfalt: In diesem Agroforstsystem werden derzeit fruchttragende Bäume mit dem Anbau von Bienenweide und Gründüngung zum Humusaufbaui kombiniert.

Wo bisher ein Acker war, wird nun Humus aufgebaut und für Bienen und andere Insekten steht eine reichhaltige Blütenvielfalt bereit. Die anfängliche Investition lohnt sich nicht nur für den Betrieb, sondern auch für die umgebende Landschaft und die Bevölkerung. Schon jetzt freuen sich Imker im Umfeld über das Refugium für Ihre Nutztiere in der sonst so ausgeräumten Landschaft. Wenn man die Umgebung noch vor 2 Jahren durchwandert hat, wird man den Unterschied bemerken, denn nun wird es auch an heißen Sommertagen spürbar weniger heiß und trocken. In den kommenden Jahren wird sich das sicherlich noch verstärken und wir wollen hoffen, dass in der gesamten Landwirtschaft ein Umdenken geschieht. Vielleicht können wir doch noch flächendeckend zu einerPflegnutzung der Landschaft zurück kommen, die Artenvielfalt erhalten und das Klima stabilisieren? Packen wir es an!

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Der Waldgarten-Kuchen: Klimaschutz kinderleicht und lecker!

 

Ein Kuchen, der das Klima schützt? Ja, ganz einfach!

Wenn wir den Anbau von Gehölzen als Nahrungsmittellieferanten fördern, entwickelt sich als Gegenmodell zum Ackerbau, der keine nennenswerte Kohlenstoffbindung zulässt, eine „hölzerne Landwirtschaft“: Bäume, Sträucher und andere mehrjährige Pflanzen können die Basis einer gesunden Ernährung bilden und gleichzeitig durchwurzeln sie dauerhaft und tief den Boden, so dass Wasser und Nährstoffe gehalten werden. Sie schützen den Boden vor Wind und Austrocknung und unter ihnen entsteht wertvoller Humus im Boden, der große Mengen CO2 aus der Atmosphäre speichert. Dazu kommt eine Beweidung mit Rindern, Schafen, Hühnern etc., die uns wertvolle Produkte liefern und durch ihre Rolle im Ökosystem bei richtiger Bewirtschaftung ebenfalls zum Humusaufbau beitragen.

Das Rezept

Alle Zutaten aus Waldgärten / Agroforstwirtschaft, keine einjährigen Pflanzen!

400g Esskastanienmehl, 2 Eier, 125g Butter und eine Prise Salz zu einem Teig verkneten.

2/3 des Teigs in eine Springform drücken.

4-6 Stangen Rhabarber kleinschneiden und mit 100-200g Birkenzucker vermischen.

Den Rhabarber in die mit Teig ausgekleidete Form füllen, den Rest des Teigs als Streusel oben drauf. Das ganze bei ca. 180°C ca. 45 Minuten im Ofen (Ökostrom, Solarofen etc…) backen. Dann mit jung und alt im Schatten großer Bäume genießen.

 

Die Vision

Stellt euch mal vor, statt dürrer, staubiger Äcker hätten wir z.B. um Berlin herum eine lichte Wald-Weide-Landschaft. Die Bäume produzieren jedes Jahr Früchte wie Esskastanien oder verschiedene Nüsse, die zum krisensicheren Grundnahrungsmittel werden. In ihrem Schatten weiden Tiere und die Menschen genießen die Kühle und das Blätterrauschen im Wind. Dürreperioden werden abgemildert und es gibt wieder mehr Niederschläge und Trinkwasser… Überall summt, brummt und zwitschert es, weil auch die Insekten und Vögel wieder Nahrung und Lebensraum finden. Die Landschaft ist so schön, dass die Menschen wieder viel mehr draußen unterwegs sind, statt Autos, Unterhaltungselektronik und andere Ersatzbefriedigungen zu konsumieren. Der sinnlose Ressourcenverbrauch findet ein Ende und wir gewinnen den Kampf um ein stabiles Klima und ein gutes Leben für alle.

Übrigens

Besonders für Menschen interessant, deren Körper allergisch auf die industrielle, einjährige Landwirtschaft reagieren: Esskastanienmehl ist glutenfrei und sehr reich an Mineralstoffen. In Berlin gibt es z.B. die „Jute Bäckerei“, die ausschließlich glutenfrei bäckt und auch Brote mit Esskastanienmehl anbieten.

Ein Wald, der vor 200 Jahren als Esskastanien-Plantage angelegt wurde. Jedes Jahr können Menschen hier viele Tonnen Nahrung ernten, obwohl die landwirtschaftliche Nutzung schon vor langer Zeit aufgegeben wurde. Kein anderes Landwirtschaftssystem ist so lange produktiv!
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Die dünne Haut der Erde

In der derzeitigen Landwirtschaft wird der Boden immer wieder gestört, was zu massiven Verlusten an Biomasse im Boden, besonders an Humus führt. Dadurch schwindet die Fähigkeit der Böden, Nährstoffe und Wasser zu halten und bereitzustellen. Die Folge ist die Auswaschung von Nährstoffen, sinkende Erträge und die Emission großer Mengen von CO2 in die Atmosphäre.

Zu dieser Thematik gibt es jetzt eine Reportage des Deutschlandfunks mit dem Titel „Die dünne Haut der Erde“. In dieser kommt auch der engagierte Bauer Mark Dümichen zu Wort, mit dem ich zusammenarbeite. Er betreibt seit Jahren eine pflegliche Bodenbearbeitung mit minimalen Eingriffen, permanenter Begrünung und dem Einsatz von eigens hergestellten Bodendüngern („Kompost“). Er hat das Dürrejahr 2018 weit besser überstanden als so manch andere Bauern in Brandenburg und arbeitet schon an den nächsten Schritten in Richtung einer regenerativen Landwirtschaft. Derzeit erarbeite ich weitere Klimawandelanpassungsmaßnahmen für seinen Hof.

Die Reportage findet sich unter:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/landwirtschaft-die-duenne-haut-der-erde

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Keyline Design für SoLaWi umgesetzt

Durch Schlüssellinienkultur (Keyline Design) kann Wasser geleitet und gespeichert werden. Anbausysteme nach diesem Prinzip beugen nicht nur Erosion und Hochwässern nach Extremniederschlägen vor, sie machen Wasser auch in Dürreperioden länger verfügbar.

Für eine Solidarische Landwirtschaft in der Schweiz habe ich kürzlich eine Schlüssellinienkultur (Keyline Design) eingerichtet, die derzeit mit Gehölzkulturen bepflanzt wird. Durch die Anlage der Kulturen und eine zukünftige Bearbeitung mit einem Tiefenmeißel werden das im Boden ziehende Wasser und eventuelle Oberflächenabflüsse gezielt zu den trockeneren Teilen des Geländes geleitet und dort versickert. Die Gehölzkulturen mit ihren tiefgehenden Wurzeln sorgen für eine verstärkte Tiefensickerung und können auch in Trockenperioden das im Boden gespeicherte Wasser erreichen. Die Bemühungen der Bewirtschafter um Bodenbedeckung und Humusaufbau werden die Wasserhaltefähigkeit weiter begünstigen, so dass hier eine nachhaltige Versorgung auch unter den im Klimawandel zunehmenden Dürren gewährleistet werden kann.

Werden solche Systeme in weiten Teilen einer Landschaft eingesetzt und ersetzen z.B. Ackerbau, so ist außerdem mit einer Abkühlung der Landschaft, einer erhöhten Regenwahrscheinlichkeit und einer besseren Grundwasserneubildung zu rechnen.

Mehr Hintergrundinformationen zur Schlüssellinienkultur (Keyline Design) finden sich in folgenden Publikationen:

Ryan, Justin A., et al. 2015. Modelling the Potential of Integrated Vegetation Bands (IVB) to Retain Stormwater Runoff on Steep Hillslopes of Southeast Queensland, Australia. Land. 4, 2015, S. 711-736.
Ryan, Justin G., McAlpine, Clive A. und Ludwig, John A. 2010. Integrated vegetation designs for enhancing water retention and recycling in agroecosystems. Landscape Ecology. 25, 2010, S. 1277–1288.

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Staub

Bilder wie diese sieht man derzeit fast überall auf Äckern in Deutschland: Was zunächst anmutet wie Nebel, ist Staub. Die Böden sind nach dem Sommer ohne Regen ausgedörrt, Humus gibt es durch die Bewirtschaftungsgeschichte fast überhaupt sind. Gehölze, die Austrocknung vermindern könnten und den Wind bremsen, fehlen auf weiter Strecke. So wird vom Wind davongeblasen, was das wertvollste ist: Die leichten Anteile des Bodens, die ihm sonst seine Nährstoff- und Wasserhaltefähigkeit geben. Zurück bleibt ein noch reinerer Sand, der noch weniger Ertrag liefert.

Brandenburg, September 2018. Ein leichter Wind bläst die wertvollsten Teile des Bodens fort. Nach 6 Monaten fast ohne Regen werden die Probleme unserer Landnutzung nun hoffentlich auch für die allerletzten offensichtlich.

Dass Gehölzkulturen eine einfache Lösung sind und dabei noch vielfältige Erträge liefern können ist hinlänglich bekannt. Wann werden die Landnutzer aufwachen und etwas ändern? Es ist jedenfalls allerhöchste Zeit!

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Kurs: Kreisläufe schließen – Terra Preta, Komposttoiletten und Pflanzenkohle herstellen

Vom 31.August bis 2. September wird es im Zukunftszentrum Nieklitz einen Praxiskurs mit mir geben. Inhalt wird sein:

  • Terra Preta verstehen und standortgerecht anwenden
  • Bau mehrerer Kompost-Trenntoiletten – erprobtes und gut funktionierendes Design, leicht nachzubauen und in eigenen Projekten integrierbar
  • Pflanzenkohle-Herstellung im offenen Verfahren („Kon-Tiki“-Methode) mit Gerät und ohne Hilfsmittel für jeden Standort
  • Wurmkompost und Heißkompost sowie Kompost-Tee herstellen
  • Fermentation mit Mikroorganismen
  • Planung und Optimierung von Stoffkreisläufen in Waldgarten, Selbstversorgung und Regenerativer Landwirtschaft
  • Hintergründe, Geschichte und Ökologie
  • Eigene Projekte planen und optimieren

Der Kurs kostet inklusive Bio-Vollverpflegung nur 230€ bei Übernachtung im Bett, 200€ bei Übernachtung im eigenen Zelt oder Auto.

Natürlich soll das kein Allerwelts-Kurs werden. Ich werde Terra Preta, Komposttoiletten, verschiedene Kompostierverfahren, den Mikroorganismen-Hype usw. natürlich wieder von der ökologischen Seite her beleuchten und mit einigen Daten unterfüttern. Dazu kommt meine übliche Portion Geschichte und Politik, sicher auch einiges an Musik und Tanz 🙂 Vor allem werden wir an dem Wochenende aber die Werkstatt des Zukunftszentrums, den neu angelegten Waldgarten und den Rest des Geländes zur Verfügung haben, um ein wunderbar einfaches aber effektives Kompost-Trenntoiletten-Design in mehrfacher Ausführung zu bauen, so dass es jede(r) zuhause nachbauen kann. Wir werden auf die Suche nach Mikroorganismen gehen und uns ganz praktisch mit Fermentation und Kompostierung befassen. Wenn ihr Interesse daran habt, an eurem Ort geschlossene Nährstoffkreisläufe zu schaffen, dann ist dieser Kurs sicher das Richtige für euch.

Eine genauere Beschreibung des Kurses gibt es auf der Kurs-Seite, Anmeldung und Kontakt zum Organisationsteam findet ihr auf wirbauenzukunft.de. Direkt zur Anmeldung geht es hier.