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Zukunftsweisendes aus der Vergangenheit

„Es liegt außer allem Zweifel und wird bei unbefangenen Beobachtungen sich gewiß noch bestätigen, daß sich bei der Baumfelderwirthschaft die Bodenkraft und Frische, sohin die Fruchtbarkeit länger und besser erhält, als auf kahlen Fluren, wo man selbst mit allen möglichen künstlichen Düngungsmitteln die Fruchtbarkeit immer mehr abnehmen sieht. Die Nothwendigkeit und der wohlthätige Einfluß der schützenden Bekleidung des Bodens durch größere Vegetabilien (Bäume) tritt bei unbefangener Anschauung der Natur überall unverkennbar hervor.“

So schreibt ein anonym gebliebener Autor in einem von Eugen Neureuther illustrierten Buch im Jahre 1856, „Die Holzzucht außerhalb des Waldes“ (s.u.). Diese und weitere spannende Erkenntnisse aus einer Vergangenheit, in der wie heute einige Denker und Denkerinnen ihrer Zeit weit voraus waren, kann man mittlerweile auch online im Original lesen. Mehr dazu bei der Bayrischen Staatsbibliothek München: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10386002_00104.html

Baumfelder. Aus: Die Holzzucht außerhalb des Waldes, zum Vortheile der ländlichen Oekonomien und zur landschaftlichen Verschönerung Bayerns: für Grundbesitzer, Land- und Forstwirthe, Stadt- und Landgemeinden. Neureuther, Eugen Napoleon (Hrsg.) ; 1856. Palmer-Verlag, München.
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„Ein Paradies gedeiht nur durch Liebe und Freude!“

Im Jahr 1819 erschien Cottas ‚Baumfeldwirthschaft‘.  Hier ein kleiner Auzug, den ich aus dem Original abgeschrieben habe:

„Welch ein Anblick bei uns, auf vielen meilenweiten Strecken Felder, Wege, Raine, Teiche und Bach-Ufer ohne Baum zu finden! Dann noch die düstern Brachfelder! Aber selbst auch die wallenden Saatfelder, was sind sie ohne Laubgewölbe? Wie ermüden sie – wie stimmen sie das Gemüth zur Monotonie, wenn nichts den flachen Anblick bricht, das Auge auf keinem fesselnden Punkte ruhen und sich auch des schönen freuen kann?

Dagegen ein wahrer Oekonomie-Garten wie Hoschitz – so nützlich und doch so schön! Oder meilenweite liebliche Fluren, wie das reizende Kuhländchen in Mähren!

Wie aber die todte, gelbe oder braune Steppe in eine lebendige, durch frisches Grün erst gehobene Landschaft umwandeln?

Man höre, überlege, führe aus:
1) Jeder Gutsherr, jeder Landmann bepflanze Straßen, Raine und Grenzen mit Bäumen.
2) Jeder Gutsbesitzer, jede Gemeinde lege die nöthigen Baumschulen an. Diese bestimme dazu einen Gemeindeplatz, bepflanze ihn unter Leitung und Hülfe des Schullehrers und der Jugend. Der Pfarrherr und der herrschaftliche Gärtner führen die Aufsicht.
3) Schneller ins Paradies zu kommen, werden gleich junge Obstbäume angekauft, und wenigstens damit die Grenzen abgetheilt.
4) Der Nutzen bleibe den Pflanzern.
5) Die Raine besetze man in gehöriger Entfernung mit Obstbäumen. Die Landstraßen, Feldwege, Ufer der Bäche und Teiche mit den schatten- und zuckerreichen Ahornen.
6) Zur Oberaufsicht, Pflege und Beförderung des Ganzen ernenne die Regierung für jeden Kreis einen Plantagen-Commissair, der bei gründlicher Kenntniß das Aufmuntern besser als das Befehligen verstehe.
7) Jeder größere Güterbesitzer stelle einen eigenen Plantagen-Director an, und sehe bei der Wahl vorzüglich auf einen Mann, den nicht das Amt zur Pflicht, sondern Lust und Freude zum Amte rufe. Ein gemeiner Lohn-Oekonom taugt hierzu nicht. Ein Paradies gedeiht nur durch Liebe und Freude! Es giebt Menschen mit freier Muße, voll Enthusiasmus für einen Wirkungskreis dieser Art. Solche wähle man!

Welche eine Idee, welch ein Anblick, wenn so in wenigen Jahren die ganze Monarchie in ein irdisches Paradies umgeschaffen wäre! Ueberall Genuß und Nutzen! Ueberall Schatten, Obdach und Erndte! Holz gegen Frost, Obst zur Sättigung und Erquickung, Zucker für den Gaumen, Weingeist zur Stärkung – alle Reisen in den milderen Jahreszeiten nur Lustwandlungen durch einen unermesslichen Garten!“

Aus „Die Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau oder die Baumfeldwirthschaft“, von Heinrich Cotta, Dresden 1819, Arnoldische Buchhandlung.