Webinar_Aufbauende_Lawi2020

Auf die Sorte kommt es an!

Auf die Sorte kommt es an! Eine veredelte Ertragssorte (Castanea crenata x sativa Bouche de Bétizac, links) und eine wilde Edelkastanie (Castanea sativa, rechts).

Pflanzt man Ertragssorten, so kann man z.B. bei Edelkastanien ab dem 2. oder 3. Standjahr mit jährlichen Erträgen rechnen. Bei einer Pflanze, die aus dem Samen gezogen wurde, setzt der Ertrag oft erst nach 10 oder mehr Jahren ein, Qualität, Größe und Regelmäßigkeit sind fraglich. Einen Ausweg bieten Populationszüchtungen, die vorerst aber in Europa noch nicht zu bekommen sind. Deshalb plane ich meine Anlagen immer mit erprobten Ertragssorten, was ich an dieser Stelle dringend empfehlen möchte. Besonders bei der Kastanie kommt hinzu, dass sie auf gewisse Krankheiten anfällig sein kann. Dann ist es wichtig, Baumschulware auszuwählen, bei der sowohl der Edelreis, als auch die Unterlage (!) die gewünschten Resistenzen aufweist.

gerade in Zeiten des Klimawandels darf man nicht mehr „irgendwas“ pflanzen. Es ist wichtig, sich damit auszukennen, welche Standortansprüche die Pflanzen haben und so zu planen, dass eine Anlage jetzt, aber auch mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Zukunft Früchte produziert und an ihrem Standort stabil bleibt.

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Keyline Design für SoLaWi umgesetzt

Durch Schlüssellinienkultur (Keyline Design) kann Wasser geleitet und gespeichert werden. Anbausysteme nach diesem Prinzip beugen nicht nur Erosion und Hochwässern nach Extremniederschlägen vor, sie machen Wasser auch in Dürreperioden länger verfügbar.

Für eine Solidarische Landwirtschaft in der Schweiz habe ich kürzlich eine Schlüssellinienkultur (Keyline Design) eingerichtet, die derzeit mit Gehölzkulturen bepflanzt wird. Durch die Anlage der Kulturen und eine zukünftige Bearbeitung mit einem Tiefenmeißel werden das im Boden ziehende Wasser und eventuelle Oberflächenabflüsse gezielt zu den trockeneren Teilen des Geländes geleitet und dort versickert. Die Gehölzkulturen mit ihren tiefgehenden Wurzeln sorgen für eine verstärkte Tiefensickerung und können auch in Trockenperioden das im Boden gespeicherte Wasser erreichen. Die Bemühungen der Bewirtschafter um Bodenbedeckung und Humusaufbau werden die Wasserhaltefähigkeit weiter begünstigen, so dass hier eine nachhaltige Versorgung auch unter den im Klimawandel zunehmenden Dürren gewährleistet werden kann.

Werden solche Systeme in weiten Teilen einer Landschaft eingesetzt und ersetzen z.B. Ackerbau, so ist außerdem mit einer Abkühlung der Landschaft, einer erhöhten Regenwahrscheinlichkeit und einer besseren Grundwasserneubildung zu rechnen.

Mehr Hintergrundinformationen zur Schlüssellinienkultur (Keyline Design) finden sich in folgenden Publikationen:

Ryan, Justin A., et al. 2015. Modelling the Potential of Integrated Vegetation Bands (IVB) to Retain Stormwater Runoff on Steep Hillslopes of Southeast Queensland, Australia. Land. 4, 2015, S. 711-736.
Ryan, Justin G., McAlpine, Clive A. und Ludwig, John A. 2010. Integrated vegetation designs for enhancing water retention and recycling in agroecosystems. Landscape Ecology. 25, 2010, S. 1277–1288.

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Zukunftsweisendes aus der Vergangenheit

„Es liegt außer allem Zweifel und wird bei unbefangenen Beobachtungen sich gewiß noch bestätigen, daß sich bei der Baumfelderwirthschaft die Bodenkraft und Frische, sohin die Fruchtbarkeit länger und besser erhält, als auf kahlen Fluren, wo man selbst mit allen möglichen künstlichen Düngungsmitteln die Fruchtbarkeit immer mehr abnehmen sieht. Die Nothwendigkeit und der wohlthätige Einfluß der schützenden Bekleidung des Bodens durch größere Vegetabilien (Bäume) tritt bei unbefangener Anschauung der Natur überall unverkennbar hervor.“

So schreibt ein anonym gebliebener Autor in einem von Eugen Neureuther illustrierten Buch im Jahre 1856, „Die Holzzucht außerhalb des Waldes“ (s.u.). Diese und weitere spannende Erkenntnisse aus einer Vergangenheit, in der wie heute einige Denker und Denkerinnen ihrer Zeit weit voraus waren, kann man mittlerweile auch online im Original lesen. Mehr dazu bei der Bayrischen Staatsbibliothek München: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10386002_00104.html

Baumfelder. Aus: Die Holzzucht außerhalb des Waldes, zum Vortheile der ländlichen Oekonomien und zur landschaftlichen Verschönerung Bayerns: für Grundbesitzer, Land- und Forstwirthe, Stadt- und Landgemeinden. Neureuther, Eugen Napoleon (Hrsg.) ; 1856. Palmer-Verlag, München.
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Agroforst-Profis planen gemeinsam

Immer mehr Landwirte erkennen die Zeichen der Zeit und versuchen, ihre Betriebe fit zu machen für den Klimawandel und ihre Böden wieder in eine nachhaltige Nutzung zu bringen. Besonders erfreulich sind Initiativen, die die besten Köpfe der Agroforst-Szene versammeln, um gemeinsam neue Wege zu gehen. So geschehen z.B. im September beim Landwirtschaftsbetrieb Schlossgut Alt Madlitz, wo in Zukunft Agroforstsysteme entstehen sollen. Für diese sollen die besten Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis kombiniert werden, um eben nicht nur Energieholz- oder Wertholzstreifen anzulegen, sondern standortsangepasste Systeme zu entwickeln, die eine vielzahl an Funktionen erfüllen können und dem Betrieb vielfältige Optionen eröffnen, um auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren.

v.l.n.r.: P. Gerhardt (baumfeldwirtschaft.de), B. Kayser (agroforst.de), H. Gaede (wipfelwerk.de), P. Hofmann (Uni Kassel), P. Woebkenberg (Ecosia.org), B. Bösel (Gut Alt Madlitz), R. de Vries (HNE Eberswalde), N. Haack (Uni Kassel), C. Böhm (BTU Cottbus), E. Underberg, T. Domin (IG Aufwerten).