Einsamkeit, Präsenz und Nachhaltigkeit

Präsenz ist mehr als bloße Anwesenheit.

Für mich bedeutet präsent sein, authentisch da zu sein, Zeuge der eigenen und der Gefühle anderer zu sein und mit all diesen nach bestem Können liebevoll umzugehen. Auch wenn ich nicht immer etwas für andere oder für mich tun kann, so erfüllt es mich doch, wenn ich den liebevollen, ernstgemeinten Versuch erkenne.

Wenn wir umgeben sind von Menschen, die zwar da, aber nicht wirklich präsent sind, werden wir einsam. Wir finden keinen Kontakt, keine Berührung mit anderen oder uns selbst.

Einsamkeit ist mehr als Alleinsein.

Denn Alleinsein ist selbst gewählt, Einsamkeit ungewollt. Und einsam sein kann man eben auch, wenn man von vielen Menschen umgeben ist.

Ohne Kontakt und Berührung, wirklich einsam,  kann man auch sein, wenn man physisch berührt wird.

Diese Einsamkeit ist eine unglaublich schmerzvolle, gewaltsame Erfahrung.

Deshalb brauchen wir es, präsent zu sein. Der größte Teil der Menschheit sehnt sich nach Präsenz, also nach Authentizität, Liebe und Geborgenheit. Nach dem Ende der Einsamkeit.

Welche Strukturen brauchen wir, um einen authentischen, liebevollen Kontakt zu haben, der uns erfüllt, die Einsamkeit nimmt und uns wirklich miteinander verbindet?

Was müssen wir dafür können, was sollten wir jedem kleinen Menschen mit auf den Weg geben?

Wie müssen wir unsere Umgebung gestalten, um das zu erreichen?

Ich bin mir sicher, dass Verbindung und Geborgenheit lernbar sind. Aber sie sind ein Gemeinschaftswerk, ein Allmendegut. Einserseits braucht es dazu physische Räume, die uns auf allen Ebenen nähren. Auf der anderen Seite müssen auch immaterielle Räume geschaffen werden, die es noch viel zu wenig gibt: Umgebungen, in denen wir sein dürfen, wie wir sind, ohne verurteilt oder bewertet zu werden. In denen wir weinen dürfen, Lust haben, Freude haben an und Angst vor den Dingen, die wir persönlich fürchten oder uns wünschen.

Der Weg dahin ist noch weit. Ich werde ihn weiter gehen mit dem Versuch, Landschaft, Dörfer, Gemeinden etc. zu gestalten, die ökologisch stabil sind und Geborgenheit schaffen können. Ich werde weiter daran arbeiten, authentisch zu sein und andere zur Authentizität zu ermutigen. Ich will damit einen gewaltfreien Raum schaffen, in dem man wirklich präsent sein kann, empathisch mit sich selbst und anderen.

Denn erst mit dem ehrlichen Kontakt von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, wird die Einsamkeit zurücktreten und wir bekommen die Möglichkeit, unser Miteinander und den Umgang mit unserer Umwelt gemeinsam zu gestalten.

Nur wenn wir nicht mehr den Schmerz der Einsamkeit in uns herumtragen, können wir mit voller Kraft etwas weiteres möglich machen, das wir dringend brauchen:

Nachhaltigkeit.