Hof Aebleten - MINGA VO MEILE

Die “Minga vo Meile” ist eine solidarische Landwirtschaft, die von Lukas und Jeannine van Puijenbroek auf dem Hof Aebleten in Meilen am Zürichsee aufgebaut wurde. Sie funktioniert mit einem eigens entwickelten Selbsterntesystem: Die Mitglieder ernten wöchentlich frisches Gemüse, Früchte und Kräuter direkt vom Feld. Produziert wird biologisch und gemeinschaftsgetragen. 

Die Minga versteht sich als Teil der weltweiten Bewegung der Solidarischen Landwirtschaft und bringt Produzierende und Konsumierende näher zusammen – mit Bildungsangeboten und gemeinsamer Feldarbeit. Die Initiative gilt in der Region als Pionier und wurde auch von Forschung und Netzwerken porträtiert.

Seit 2017 wurde und wird konsequent der Gedanke einer “mehrjährigen” Landwirtschaft verfolgt: Immer mehr Produkte werden von Pflanzen gewonnen, die dauerhaft wachsen und nicht jedes Jahr neu angebaut werden müssen. So reifen in den Flächen unter anderem Kiwis, Ölweiden, Grünspargel, Herbsthimbeeren, Khakis und vieles mehr. 

Das System war ursprünglich als geradliniges Agroforstsystem mit Waldgartencharakter geplant. Doch durch den Kontakt zur “Agroforstkampagne”, mit der damals auch Philipp Gerhardt auf den Hof kam, reifte die Idee, mit der Geländekontur zu arbeiten. Baumreihen, Wiesengräben und Pflanzungen sollten  Wasser länger in der Fläche halten, den Boden schützen und das Bodenleben fördern. 

Auf den Flächen des Hofes hat Philipp Gerhardt schließlich die beiden ersten “Keyline”-Systeme der Schweiz geplant und gemeinsam mit Lukas umgesetzt. Dabei stimmt das nicht ganz, denn für die beiden Systeme wurde planerisch Neuland beschritten und erst aus der Retrospektive zeigt sich, dass hier etwas ganz neues entstanden ist:

Die Systeme erlauben nicht nur den Rückhalt von Niederschlägen, sondern auch ein kontrolliertes Ableiten von zu viel Wasser bei Extremereignissen, das Anstauen und Bewässern in Trockenzeiten und das Entwässern in nassen Jahren. 

Hier wurde erstmals die “Keyline”-Struktur völlig verworfen und auch keiner Hauptlinie gefolgt. Alle Wässerlinien sind individuell geplant und mit multifunktionalen Profilen versehen, die das Wasser ganz unterschiedlich, je nach Mikrotopographie im Gelände verteilen. Damit hat dieses System international große Bedeutung, da es erstmals die veraltete Keypoint- und Keyline-Struktur überwindet und einen völlig neu entwickelten Ansatz zeigt. 

Was heute im deutschsprachigen Raum als “Keyline Design” wahrgenommen wird, hat glücklicher Weise mit der klassischen Methode nicht mehr viel zu tun, sondern folgt den hier erprobten Prinzipien, die Philipp Gerhardt in den Folgejahren konsequent weiterentwickelte und lehrte. Auch die bekannten Projekte “Katzhof” und “Gerbehof” wären ohne diese Entwicklungsarbeit, zu der Lukas und Jeannine einen wesentlichen Impuls gaben nicht möglich gewesen. Die “Minga” auf dem Hof Aebleten ist damit ein wichtiger Lern- und Vorzeigebetrieb für regenerative Landwirtschaft und hat trotz ihrer kleinen Fläche landwirtschaftliche Geschichte geschrieben. Diese Planung  war der Beginn der erfolgreichen Renaissance der Wässersysteme in Europa.