GERBEHOF

Der biologisch bewirtschaftete Gerbehof von Christoph Hauert und Eva Ulm liegt in Bibern im Schweizer Kanton Solothurn. Auf rund 36 Hektar verbindet der Betrieb Milchwirtschaft und Ackerbau. Gemeinsam mit Baumfeldwirtschaft wird hier seit mehreren Jahren ein umfassendes Agroforst- und Wässersystem entwickelt und schrittweise umgesetzt.

Ausgangspunkt waren zunehmende Probleme durch Starkregen, Bodenerosion und Trockenheit. 2018 führte ein extremes Niederschlagsereignis dazu, dass große Mengen Wasser und Schlamm von den Ackerflächen bis zum Hof abflossen. In trockenen Sommern zeigten sich gleichzeitig deutliche Trockenstress-Symptome in den Böden.

Ab 2023 entwickelte Baumfeldwirtschaft gemeinsam mit dem Gerbehof ein Gesamtkonzept für Wasserführung, Bewirtschaftung und Agroforst. Geländeformen, Abflusswege, Maschinenbreiten und bestehende Strukturen wurden dabei aufeinander abgestimmt.

Im Frühjahr 2024 wurde ein erster größerer Teil des Systems umgesetzt. Entlang präzise vermessener Linien entstanden Retentions- und Wässerstrukturen, die Niederschlagswasser abbremsen, über die Flächen verteilen und zur Versickerung bringen.

Die Wässerlinien wurden zugleich in die landwirtschaftliche Nutzung integriert. Zwischen den Agroforststreifen liegen rund 27 Meter breite Ackerbereiche. Entlang der Linien wurden Pappeln, Wertholzbäume, Obst- und Nussbäume, Esskastanien, Hasel sowie Futtergehölze gepflanzt.

Der Gerbehof wird seit der ersten Umsetzung kontinuierlich weiterentwickelt. 2025 und 2026 wurden weitere Flächen in die Planung aufgenommen und das System an betriebliche und genehmigungsrechtliche Anforderungen angepasst. 2026 lag schließlich die kantonale Bewilligung für die weitere Umsetzung vor.

Damit entwickelt sich aus den ersten umgesetzten Flächen zunehmend ein zusammenhängendes Wässersystem für den gesamten Betrieb.

Der Gerbehof zeigt beispielhaft, wie Wasserrückhalt, Erosionsschutz, Agroforst und mechanisierte Landwirtschaft miteinander verbunden werden können.