Fossilfrei wirtschaften

In Zeiten größter Ressourcenübernutzung, die eine Klimaveränderung niegekannten Ausmaßes, eine Krise der Biodiversität und insgesamt eine beispiellose Schädigung unserer Lebensgrundlagen auf dem Planeten Erde verursacht hat, ist es wichtig, zu einer möglichst lokalen Wirtschaftsweise zu finden, die diesen Prozess umkehrt und zu einer Regeneration lebensnotwendiger Ökosystemfunktionen führt.

Neben großen Veränderungen gesellschaftlichen Ausmaßes, die Industrie, Transport, Bauwesen etc. im großen betreffen, sind vor allem auf lokaler Ebene, in Regionen, Gemeinden und Nachbarschaften neue Wege zu gehen. Hierbei können Gemeinschaften wie z.B. Ökodörfer oder landwirtschaftliche Kooperativen, aber auch einzelne Haushalte, die einer ökologisch-sozialen Avantgarde zuzurechnen sind, eine Vorreiterrolle einnehmen.

In dieser (zugegebenermaßen nur diffus abgrenzbaren) Szene wird versucht, zu einem hohen Grad von Selbstversorgung zu gelangen. Meistens betrifft dies zunächst die Nahrungsmittelproduktion. An nächster Stelle stehen dann die Beschaffung von Brennholz und Bauholz. Auch andere Baumaterialien, werden gern und oft so ökologisch wie möglich beschafft und verwendet. Es wird versucht, die eigenen Lebensgrundlagen durch die Ressourcen zu erhalten, die in unmittelbarer Umgebung oder zumindest den naheliegendsten nächsten Ökosystemen zu finden sind. Lehm, Sand, Kalk und Holz sind völlig ausreichend für eine behagliche Behausung, die ein gutes Leben beherbergen kann. Nahrungsmittel können bei uns im temperierten Klima eigentlich überall produziert werden und mit Waldgartensystemen oder einer weitreichenderen Baumfeldwirtschaft gelingt dies auch unter Regeneration oder Mehrung der lokalen Fruchtbarkeit.

Der kritische Faktor für das Gelingen einer Selbstversorgung, die auch von allen Beteiligten mit Freude langfristig aufrechterhalten werden kann, ist aber das Vorhandensein von Wissen über optimale Techniken!

Philipp Gerhardt mit einigen seiner Waldarbeitswerkzeugen - Hobelzahnsäge, Lanzenzahn-Fuchsschwanz, Iltis-Axt, Oberharzer Axt etc.Ballenpflege einer Iltis-Axt. Scharfes Werkzeug ist sehr wichtig für die fossilfreie und trotzdem leichte Bewirtschaftung von Wald, Waldgärten - ob als Selbstversorger, Landwirtschaftsbetrieb, Gemeinschaft oder Ökodorf.Verschiedene Sappel oder Sapinen zum Rücken und Manipulieren von Holz. Gutes Werkzeug ist sehr wichtig für die fossilfreie und trotzdem leichte Bewirtschaftung von Wald, Waldgärten - ob als Selbstversorger, Landwirtschaftsbetrieb, Gemeinschaft oder Ökodorf.Auch bei Griffen für Hobelzahnsägen gibt es himmelweite Unterschiede. Welche für was geeignet sind und wie man die Hobelzahnsäge richtig benutzt erfährt man in den Kursen von Philipp Gerhardt/ baumfeldwirtschaft.deVerschiedene Weichholz- und Hartholzbezahnungen der Hobelzahnsäge. Nur, wer Pflege und Sägetechnik beherrscht wird den Spitzenwert der 3fachen Geschwindigkeit im Vergleich zu einer Dreieckszahnsäge erreichen!Arbeit mir dem Zahnspitzenhobel zum Herstellen der richtigen Zahnlinie. Stimmt diese nicht, läuft die Säge nicht.Werkzeuge zum Schärfen und Pflegen der Hobelzahnsäge.links Oberharzer Axt, rechts Iltis-Axt, ganz rechts Lanzenzahn-FuchsschwanzEin kleiner Satz Holzbauwerkzeug für unterwegs.

Wie oft ist zu beobachten, dass voll Enthusiasmus in eine gärtnerische Tätigkeit gestartet wird, diese aber bald ob der empfundenen Mühsal wieder aufgegeben wird? Wie oft fangen Leute an, ihr eigenes Holz zu machen, landen dann aber bald doch wieder bei billigem Brennholz vom Weltmarkt, weil ihnen die Selbstwerbung zu anstrengend ist?

Es entstehen landauf landab „Projekte“ und „Höfe“, die alles ganz ökologisch machen wollen, aber in diesem Bestreben einfach nicht vom Fleck kommen. Dabei ist dieser Zustand leicht zu beheben, indem man sich von Anfang an im reichhaltigen Fundus des jahrtausendealten Erfahrungswissens der Menschheit bedient und an den besten Beispielen gelungener Selbstversorgung orientiert. Leider leben wir in einer Zeit, in der hinter auf hochglanzpolierten Videos, die vermeintlich Wissen vermitteln sollen, oft mehr Schein als Sein steckt und die – wieder mangels Wissen – trotzdem als lehrreich angenommen und deren Inhalte nachgeahmt werden. Wie oft sieht man, dass junge Leute aufs Land ziehen und das erste was sie machen ist, einen Kurs im Bau von Lehmöfen zu geben, obwohl sie es selbst noch nie richtig gemacht haben? Das gleiche gilt für die Anlage von Waldgärten, Holzeinschlag und Brennholzstapeln, den Bau von Trockentrenntoiletten usw. usf.

Mir ist es daher ein großes Anliegen, in Beratung und Kursen wirklich praxistaugliches und qualitativ hochwertiges Wissen zu vermitteln. Gerade die ökologisch-soziale Avantgarde kann in der Gesellschaft nur in die Breite wirken, wenn sie selbst funktionale Strukturen hat und damit überzeugen kann!

Das Themenfeld „fossilfrei wirtschaften“ bezieht sich also auf genau jene grundlegende Selbstversorgung aus der unmittelbaren Umgebung und ist für Lebensumstände gedacht, in denen es möglich ist in diesen Dingen nicht mit einem System zu konkurrieren, indem aufgrund des Energiezuflusses von fossiler Energie und Ausbeutung alles viel schneller, größer und weiter geht.

Gerade der Umgang mit Wald bzw. Waldgartenökosystemen ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Hier können Menschen lernen, mit welchen Werkzeugen und Techniken sie gemeinsam effizient arbeiten können, sodass es langfristig allen Freude macht und gleichzeitig eine Qualität erreicht wird, mit der der Arbeitsaufwand vertretbar bleibt und im Alltag bewältigt werden kann.

In meinen Kursen oder in der Beratung zum Thema „fossilfrei wirtschaften“ zeige ich, welche Werkzeuge und Techniken wir nutzen können, um ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe Land zu bewirtschaften und eine solide Selbstversorung aufzubauen. Das Bekenntnis zu einer enkeltauglichen Lebensweise scheint oft ein großer Schritt, wenn man auf Traktor, Motorsäge oder schon einen Rasenmäher verzichten möchte. Doch die meisten werden staunen, was man mit gutem Handwerkzeug, ein paar Tricks und Kniffen bewerkstelligen kann! Der persönliche Austritt aus dem fossilen Zeitalter wird so zwar nicht zum Spaziergang, aber mit einer guten Basis fällt alles viel leichter, als sich die meisten vorstellen können. Im gemeinsamen Schaffen verinnerlicht man leicht neues altes Wissen: Man lernt den höchsten Stand fossilfreier Techniken mit, um danach mit Leichtigkeit in ein zukunftsfähiges Leben zu starten.

Bei Beratungen gehe ich individuell auf Fragestellungen ein. So kann z.B. für eine Gemeinschaft geplant werden, wie Wald bewirtschaftet oder umgebaut werden kann, welche Mengen an Bau- und Brennholz benötigt werden, wie viele Früchte erzeugt werden sollen und welche Werkzeuge man dafür anschaffen muss und wie viel Zeit und Arbeitskräfte benötigt werden. Für kleinere und größere Landwirtschaftsbetriebe kann ich aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen und wir können gemeinsam schauen, wo sich Maschinenarbeit und die Nutzung sogenannter Biosphärentechnologie einsparen lässt.

In meinen Kursen steht die Praxis im Vordergrund. Dort zeige ich zunächst, wie man Sägen, Äxte und andere Werkzeuge, die man zur Bewirtschaftung eines (Wald-)Gartens braucht schärft, pflegt und ergonomisch nutzt. Auch eigene alte oder neue Werkzeuge können mitgebracht werden, um den Umgang damit und ihre Pflege zu lernen.

Für Gemeinschaften, die Land nutzen, hat es sich sehr bewährt, Leute zu haben, die für diesen Bereich eine hohe Kompetenz haben und mit ihrem Fachwissen Werkzeuge hüten und Techniken bereitstellen können. Diese können zur Schulung in einen Kurs bei mir entsandt werden, um für die ganze Gemeinschaft eine neue Leichtigkeit bei der Arbeit zu erschließen. Natürlich können auch individuelle Kurse vor Ort gestaltet werden, zu denen ich zahlreiche Werkzeuge und Materialien mitbringen kann und wo man direkt Projekte vor Ort (z.B. einen Pflegeeinsatz in einem Waldgarten, in einem Nieder- oder Mittelwald, oder einen Holzeinschlag) mit einbinden kann.

Einige Fragen, die in den regelmäßgen Kursen beantwortet werden sollen, sind:

  • Wie bewirtschafte, pflege und ernte ich Gehölze im Wald(-garten) mit Handwerkzeugen und Muskelkraft?
  • Komme ich als Selbstversorger*in ohne Motorsäge, Freischneider und Traktor aus?
  • Wie können wir gemeinsam mit Muskelkraft Großes bewegen?
  • Wie halte ich meinen Rücken gesund und arbeite mit minimalem Energieaufwand?
  • Welche Werkzeuge brauche ich als einzelne(r) oder Gemeinschaft und welche nicht?
  • Wie halte ich Äxte, Sägen, Gertel etc. immer rasiermesserscharf?
  • Wie muss ein Waldgarten oder ein Selbstversorgerhof aufgebaut sein, um mit Leichtigkeit und ohne fossile Rohstoffe zu funktionieren?

Die Teilnehmenden erlangen einen Überblick und kennen den Weg, um ihr Selbstversorger*innen- oder Gemeinschaftsprojekt auf eine wirklich enkeltaugliche Wirtschaftsweise umzustellen.

Da in den vergangenen Jahrzehnten die fossile Energie billig und überall verfügbar wurde, geriet vieles in Vergessenheit – doch noch können wir auf altes Wissen zurückgreifen und den höchsten Entwicklungsstand vor dem fossilen Zeitalter wieder nutzbar machen! Dies ist auch wichtig, denn das Versprechen einer „grünen Technologie“ wird nie eine Wende in der zerstörerischen Ressourcennutzung der Menschen bringen. Wirkliche Nachhaltigkeit braucht Entschleunigung und wir müssen herausfinden, auf welcher technologischen Ebene sich eine pflegliche Nutzung der Naturressourcen realisieren lässt.

Ein Ansatzpunkt hierfür ist das Konzept der Ökosystemkultur. Aus diesem kann man ableiten, dass nur diejenige Technologie nachhaltig sein kann, die das kollektive Ökosystemverständnis nicht überfordert. Da dies nur der Fall ist, wenn eines oder nur wenige Ökosysteme genutzt werden, kommt für den Großteil des Bedarfs nur Technologie in Frage, die aus der unmittelbaren Umgebung und in gemeinschaftlichen Prozessen herstellbar und zu erhalten ist. Es geht mir daher darum, dass Kursteilnehmende Werkzeuge kennen, nutzen und erhalten lernen, die diesen Kriterien entsprechen und die wir vor allem für die Bewirtschaftung von Wald(-gärten) und ähnlichen Versorgungssystemen brauchen.

Die nächsten Kurse und Termine rund um das Thema „fossilfrei wirtschaften“ finden sich hier: http://baumfeldwirtschaft.de/termine