AFS-Planung 16 - Kontrolle

Zukunftsweisendes aus der Vergangenheit

„Es liegt außer allem Zweifel und wird bei unbefangenen Beobachtungen sich gewiß noch bestätigen, daß sich bei der Baumfelderwirthschaft die Bodenkraft und Frische, sohin die Fruchtbarkeit länger und besser erhält, als auf kahlen Fluren, wo man selbst mit allen möglichen künstlichen Düngungsmitteln die Fruchtbarkeit immer mehr abnehmen sieht. Die Nothwendigkeit und der wohlthätige Einfluß der schützenden Bekleidung des Bodens durch größere Vegetabilien (Bäume) tritt bei unbefangener Anschauung der Natur überall unverkennbar hervor.“

So schreibt ein anonym gebliebener Autor in einem von Eugen Neureuther illustrierten Buch im Jahre 1856, „Die Holzzucht außerhalb des Waldes“ (s.u.). Diese und weitere spannende Erkenntnisse aus einer Vergangenheit, in der wie heute einige Denker und Denkerinnen ihrer Zeit weit voraus waren, kann man mittlerweile auch online im Original lesen. Mehr dazu bei der Bayrischen Staatsbibliothek München: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10386002_00104.html

Baumfelder. Aus: Die Holzzucht außerhalb des Waldes, zum Vortheile der ländlichen Oekonomien und zur landschaftlichen Verschönerung Bayerns: für Grundbesitzer, Land- und Forstwirthe, Stadt- und Landgemeinden. Neureuther, Eugen Napoleon (Hrsg.) ; 1856. Palmer-Verlag, München.
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Staub

Bilder wie diese sieht man derzeit fast überall auf Äckern in Deutschland: Was zunächst anmutet wie Nebel, ist Staub. Die Böden sind nach dem Sommer ohne Regen ausgedörrt, Humus gibt es durch die Bewirtschaftungsgeschichte fast überhaupt sind. Gehölze, die Austrocknung vermindern könnten und den Wind bremsen, fehlen auf weiter Strecke. So wird vom Wind davongeblasen, was das wertvollste ist: Die leichten Anteile des Bodens, die ihm sonst seine Nährstoff- und Wasserhaltefähigkeit geben. Zurück bleibt ein noch reinerer Sand, der noch weniger Ertrag liefert.

Brandenburg, September 2018. Ein leichter Wind bläst die wertvollsten Teile des Bodens fort. Nach 6 Monaten fast ohne Regen werden die Probleme unserer Landnutzung nun hoffentlich auch für die allerletzten offensichtlich.

Dass Gehölzkulturen eine einfache Lösung sind und dabei noch vielfältige Erträge liefern können ist hinlänglich bekannt. Wann werden die Landnutzer aufwachen und etwas ändern? Es ist jedenfalls allerhöchste Zeit!

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Sommerloch für die Bienen?

In traditionellen Bauerngärten (hier: Im Waldviertel, Österreich) gibt es oft über lange Zeit viel Pollen und Nektar für Bienen und andere Insekten. Hier summt und brummt es z.B. bis in den Juni hinein im Senf. Auch die regenerativen Materialien dienen früher oder später als Lebensraum für Insekten, z.B. Schlupfwespen und Wildbienen.

Imker klagen häufig darüber, dass bei den Feldfrüchten für Bienen ab Mitte/Ende Mai nicht mehr viel Pollen und Nektar abfällt und die Völker im Sommer oft regelrecht hungern. Doch muss das so sein? Was ist die Ursache für dieses „Sommerloch“?
Schaut man sich Landnutzungsregime früherer Zeiten an, fällt auf, dass es dort eine Vielzahl sowohl an einjährien Pflanzen, als auch an Gehölzen gab, die weit ins Jahr hinein Brühten und dementsprechend als Lebensgrundlage für Bienen und andere Insekten dienen konnten. In Den Bauerngärten blühten neben für die Nahrungsversorgung angebauten Pflanzen wie z.B. dem Senf zahlreiche Medizinpflanzen oder auch solche, die zur Zierde oder aus altem Brauch rund ums Haus wuchsen. Akelei, Fingerhut und Stockrosen sind z.B. dabei, aber auch Gehölze wie der Hartriegel, die Mispel oder die Quitte blühen spät, mitunter in den Juni hinein. Besonders wichtig sind aber die Linden, die im Frühsommer meist jedes Jahr reichhaltig blühen.
Früher wusste man um den Wert dieser herrlichen Bäume und dieses Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Heute verschwinden sie leider zusehends, „weil sie so viel Dreck machen“, wie man oft sagt. Oder sie werden gekappt, zurechgestutzt oder überhaupt nur als Buschbaum gehalten. Welche Pracht waren dagegen die mächtigen Dorflinden von einst? Man nutzte sie als Gerichtslinden, als kühlen Platz für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten im Sommer, für gemeinsame Entscheidungen oder auch als Orte für Tanz und Musik. Sie wurden als Alleebäume gepflanzt, die die Wege der Menschen behüteten, den Staub fingen und ihren kühlen Schatten auf die Reisenden warfen. In einem Land, das voll war mit solch nützlichen Bäumen, hatten natürlich auch die Bienen ihren Anteil und bekamen dadurch viel Nektar und Pollen.
Es ist also nicht nur die

Leider fehlen in der industriellen Land(wirt)schaft (hier: Niedersachsen, Deutschland) nicht nur solche mit bedacht angelegten Gärten, sondern auch viele andere Elemente, die die Menschen früher schon als wertvoll erkannt haben, wie z.B. Feldraine, Knicks, Alleen, Hausbäume, Dorflinden usw.

stumpfe Eintönigkeit Mitteleuropäischer Felder, die aufgrund globalisierter Arbeitsteilung nur noch das produzieren, was billiger zu machen ist als anderswo und von der Konsummaschinerie deshalb noch von hier verlangt wird, sondern vor allem der Mangel an Landschaftselementen, die in früheren Zeiten den Lebensraum für Bienen und andere Insekten bereitgestellt haben.
Was können wir davon lernen? Es ist neben der tatsächlich nachhaltigen Nutzung des Bodens durch regenerative Praktiken auch eine dringende Aufgabe, die Produktionssysteme ein Stück weit zurückzunehmen und wieder Raum zu lassen für die Elemente, die wir vergessen haben, die aber unbedingt notwendig sind, um die Stabilität und Produktivität unseres Lebensraumes als ganzes zu erhalten. Wir brauchen die Alleen, die Dorflinden, die Hausbäume, die Hecken und Knicks, die Feldraine und Sölle! Sie sind ein wesentlicher Bestandteil regenerativer Landwirtschaft. So wie bei einem Wagen, der einen Antrieb braucht, aber nicht ohne Räder auskommt, dürfen wir nicht vergessen, diese in gutem Zustand zu halten und regelmäßig zu pflegen und zu erneuern. In regenerativen Landnutzungssystemen müssen wir sie deshalb unbedingt mit einplanen und Ressourcen dafür mit einkalkulieren.

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„Ein Paradies gedeiht nur durch Liebe und Freude!“

Im Jahr 1819 erschien Cottas ‚Baumfeldwirthschaft‘.  Hier ein kleiner Auzug, den ich aus dem Original abgeschrieben habe:

„Welch ein Anblick bei uns, auf vielen meilenweiten Strecken Felder, Wege, Raine, Teiche und Bach-Ufer ohne Baum zu finden! Dann noch die düstern Brachfelder! Aber selbst auch die wallenden Saatfelder, was sind sie ohne Laubgewölbe? Wie ermüden sie – wie stimmen sie das Gemüth zur Monotonie, wenn nichts den flachen Anblick bricht, das Auge auf keinem fesselnden Punkte ruhen und sich auch des schönen freuen kann?

Dagegen ein wahrer Oekonomie-Garten wie Hoschitz – so nützlich und doch so schön! Oder meilenweite liebliche Fluren, wie das reizende Kuhländchen in Mähren!

Wie aber die todte, gelbe oder braune Steppe in eine lebendige, durch frisches Grün erst gehobene Landschaft umwandeln?

Man höre, überlege, führe aus:
1) Jeder Gutsherr, jeder Landmann bepflanze Straßen, Raine und Grenzen mit Bäumen.
2) Jeder Gutsbesitzer, jede Gemeinde lege die nöthigen Baumschulen an. Diese bestimme dazu einen Gemeindeplatz, bepflanze ihn unter Leitung und Hülfe des Schullehrers und der Jugend. Der Pfarrherr und der herrschaftliche Gärtner führen die Aufsicht.
3) Schneller ins Paradies zu kommen, werden gleich junge Obstbäume angekauft, und wenigstens damit die Grenzen abgetheilt.
4) Der Nutzen bleibe den Pflanzern.
5) Die Raine besetze man in gehöriger Entfernung mit Obstbäumen. Die Landstraßen, Feldwege, Ufer der Bäche und Teiche mit den schatten- und zuckerreichen Ahornen.
6) Zur Oberaufsicht, Pflege und Beförderung des Ganzen ernenne die Regierung für jeden Kreis einen Plantagen-Commissair, der bei gründlicher Kenntniß das Aufmuntern besser als das Befehligen verstehe.
7) Jeder größere Güterbesitzer stelle einen eigenen Plantagen-Director an, und sehe bei der Wahl vorzüglich auf einen Mann, den nicht das Amt zur Pflicht, sondern Lust und Freude zum Amte rufe. Ein gemeiner Lohn-Oekonom taugt hierzu nicht. Ein Paradies gedeiht nur durch Liebe und Freude! Es giebt Menschen mit freier Muße, voll Enthusiasmus für einen Wirkungskreis dieser Art. Solche wähle man!

Welche eine Idee, welch ein Anblick, wenn so in wenigen Jahren die ganze Monarchie in ein irdisches Paradies umgeschaffen wäre! Ueberall Genuß und Nutzen! Ueberall Schatten, Obdach und Erndte! Holz gegen Frost, Obst zur Sättigung und Erquickung, Zucker für den Gaumen, Weingeist zur Stärkung – alle Reisen in den milderen Jahreszeiten nur Lustwandlungen durch einen unermesslichen Garten!“

Aus „Die Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau oder die Baumfeldwirthschaft“, von Heinrich Cotta, Dresden 1819, Arnoldische Buchhandlung.

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Traum

von Hermann Hesse

Es ist immer derselbe Traum:
Ein rot blühender Kastanienbaum,
Ein Garten, voll von Sommerflor,
Einsam ein altes Haus davor.

Dort, wo der stille Garten liegt,
Hat meine Mutter mich gewiegt;
Vielleicht – es ist so lange her –
Steht Garten, Haus und Baum nicht mehr.

Vielleicht geht jetzt ein Wiesenweg
Und Pflug und Egge drüber weg,
Von Heimat , Garten, Haus und Baum
Ist nichts geblieben als mein Traum.

Von welchen Landschaften träumen wir? Und wie sieht es um uns herum aus? Warum?